Mit Elan macht sich in Rom ein neuer Ministerpräsident an die Arbeit: Von Giovanni Goria erhoffen sich die Italiener in der Politik den Schwung, der die Wirtschaft schon erfaßt hat.

Vergangene Woche hatte Giovanni Goria seine Regierungserklärung vor dem Senat verlesen; diese Woche debattierte die Abgeordnetenkammer in Rom darüber; kaum jemand zweifelte daran, daß ihm die Parlamentarier der Fünf-Parteien-Koalition aus Christdemokraten, Sozialisten, Sozialdemokraten, Republikanern und Liberalen das Vertrauen aussprechen werden. Der 44jährige Doktor der Wirtschaftswissenschaften ist der jüngste Ministerpräsident Italiens seit dem Sturz des faschistischen Regimes unter Benito Mussolini.

Die Medien überschütteten den Piemontesen mit Lob, als ihm die Bildung der 47. Nachkriegsregierung gelang. Neue Besen kehren gut: Seine Landsleute erwarten von dem „Beau im Bart“ (Spiegel) denn auch jenen schwungvollen Regierungsstil, der dem ökonomischen Aufwärtstrend entspricht: Italiens Wirtschaft wächst in diesem Jahr erstmals schneller als die der Bundesrepublik, das Bruttosozialprodukt übersteigt voraussichtlich das der Briten. II miracolo – Wirtschaftswunder auf Italienisch.

Die neu eroberte Stellung als fünftgrößte Industriemacht der Welt ist freilich keine Garantie für innere Stabilität, und Regierungskrisen gehören in Italien zum politischen Alltag. Noch bevor Giovanni Goria die Amtsgeschäfte als Ministerpräsident übernahm, spekulierte Rom bereits über die Lebensdauer seiner Koalition. Bettino Craxi, der Chef der Sozialisten, und seine acht Minister in der Regierungsmannschaft werden es Goria nicht leicht machen. Craxis Partei hat bei den Parlamentswahlen im Juni immerhin 3,1 Prozent hinzugewonnen. Das stärkt ein Selbstbewußtsein, das die Disziplin im Riesenkabinett (30 Minister) über kurz oder lang schwächen könnte.

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