Es war nur eine Frage der Zeit: Nach langen Personalquerelen übernimmt Edzard Reuter nun Anfang September das Steuer bei Daimler-Benz. Auch eine zweite Entwicklung war absehbar: Der Stuttgarter Autokonzern ist zum umsatzstärksten Industrieunternehmen der Bundesrepublik aufgerückt. Und nicht nur das. Sieht man von den beiden Staatsunternehmen Post und Bahn ab, führt der Autobauer auch auf der Hitliste der Unternehmen mit den höchsten Gewinnen und Investitionen. Und als großer Arbeitgeber im Lande folgt er gleich nach der Bundespost und Siemens, dem Elektroriesen in München.

Vor allem mit dem Kauf des drittgrößten Elektro-Unternehmens AEG im Herbst 1985 hat Daimler-Benz geschafft, was sich schon lange abzeichnete: Er überholte das Volkswagenwerk und Siemens. Der Platz an der Spitze scheint auch für das kommende Jahr so gut wie sicher. Die Stuttgarter sind dabei, sich zum High-Tech-Konzern zu wandeln. Nach der Übernahme des Triebwerkbauers MTU, des Luftfahrtkonzerns Dornier und von AEG ist das Stuttgarter Nobelunternehmen nun auch im Gespräch, wenn es um die Zukunft von MBB geht. Für den Luftfahrtkonzern, dessen Kapital zur Zeit noch mit 52 Prozent mehrheitlich den Bundesländern Bayern, Bremen und Hamburg gehört, wird derzeit eifrig nach einem Anteilseigner in der Privatindustrie gesucht.

Als Ausreißer ist noch ein weiterer Autokonzern zu nennen. Ford stieg vom 22. auf den 14. Platz und verschwand von der Liste der Verlustemacher. Einen solchen Erfolg konnte auch Grundig verbuchen.

Die meisten Unternehmen machten hingegen ein Minus beim Umsatz, und das häufig gleich in zweistelligen Raten. Zu den Umsatzverlierern zählen hauptsächlich Unternehmen aus der Energie- und Mineralölbranche, bei denen sich der Ölpreisverfall besonders bemerkbar machte. Auf die Gewinne schlug das in der Regel nicht durch, weil der Absatz unverändert blieb und nur zu geringeren Preisen gehandelt wurde.

Nicht nur wegen der gesunkenen Dollarkurse und Rohölpreise ging auch der Umsatz bei den Chemiemultis zurück. Sie klagen ebenso über einen Vertrauensverlust nach dem Unglück in Basel. Dennoch sind sie aber bei den Gewinnemachern nach wie vor gut vertreten.

Eine gespaltene Entwicklung zeigt die Branche der Informationstechnik. Siemens mußte den ersten Platz abtreten, und das nicht nur, weil Daimler-Benz durch Zukauf stärker wurde. Der Münchner Elektronikriese verlor an Kraft, weil sein Umsatz um vierzehn Prozent schrumpfte. Einen starken Einfluß auf dieses Ergebnis hatte allerdings das Geschäft mit der Kernenergie. Je nach Abrechnung von Atomkraftwerken schwankt der Umsatz gleich in Milliardenhöhe. Im Berichtsjahr rechnete Siemens keine einzige Anlage ab.

Ähnlich stark erwischte es die deutsche Tochter des amerikanischen Computerkonzerns IBM. Das Unternehmen setzte neun Prozent weniger um. Der Star der Branche ist derzeit Nixdorf. Mit Platz 52 erreichte der deutsche Computerbauer nun fast die Mitte der Rangliste und gehört mit einem Umsatzwachstum von beinahe fünfzehn Prozent zu den wenigen Unternehmen, die auch ohne Zukäufe kräftig wachsen.