Die Bayern sind wütend über Geißlers Konzessionen an den Zeitgeist,

Von Nina Grunenberg

München‚ im August

Langer Seufzer einer gequälten CSU-Seele: Norbert Blüm hat sich um die Koalition nicht verdient gemacht. Nur weil er in Chile wie Nick Knatterton ermittelte, sollen sie ihre Ferien unterbrechen und am Freitag in Bonn zur Sondersitzung erscheinen? Ungewollt liefern sie ihm damit noch die Kulisse, vor der er sich mit seinem Bericht im außen- und innenpolitischen Ausschuß profilieren kann. Ist das geschickt?

Ein Machtwort des Kanzlers und Parteivorsitzenden in Sachen „Chile“ wird in München noch immer vermißt. Aber sie müssen heucheln, wenn sie das erstaunen sollte. Was Helmut Kohl sich sagt, wenn er in seinem österreichischen Feriendomizil spazierengeht und an den bayerischen Löwen denkt, braucht ihnen niemand zu erzählen. Es reduziert sich, davon sind sie überzeugt, auf einen einzigen Satz: „Ich bin 57 und Du bist 72.“ Ende der Durchsage vom Wolfgangsee. Zur gleichen Zeit wird Friedrich Zimmermann, ihr Bundesminister („Er ist, wie er ist“), der von Amts wegen zu Gedanken über das Asylrecht für die

Streit in der Union

vierzehn Chilenen verpflichtet ist, von Norbert Blüm und Heiner Geißler als geistiger Weggefährte der Folterknechte in Südamerika vorgeführt. Ist das die feine Art, mit dem Koalitionspartner umzugehen?