Antonio Salieri: „Prima la Musica, Poi le Parole“; Wolfgang Amadeus Mozart: „Der Schauspieldirektor“.

Mit der behutsam angekurbelten Schallplatten-Edition der Werke des angeblichen Mozart-Rivalen Antonio Salieri wird das legendenumwobene Bild dieses Komponisten ein wenig zurechtgerückt. Denn daß er über das handwerkliche Rüstzeug üblichen Formats verfügte, setzt ihn noch keineswegs in bezug zu einem veritablen Genie. Joseph II. schien dies zu übersehen, als er seinem Günstling und Wolfgang Amadeus Mozart zugleich einen Auftrag erteilte, über ein gleichartiges Sujet eine Kurzoper zu komponieren. Dank des besseren Librettos (Giambattista Casti) konnte bei der gemeinsamen Uraufführung in der Orangerie von Schönbrunn (1786) Salieri sogar über Mozart triumphieren. Die nun erstmals zum Vergleich offerierte Aufnahme beider Piècen macht den Unterschied von Durchschnittsbegabung und ingeniösem Talent evident. Salieris dünnblütiges „Divertimento teatrale“, dem jede zeitübergreifende Spiritualität fehlt, vermag gegen die von der Ouvertüre an funkelnde Komödie Mozarts nichts auszurichten. Dessen neue Qualität der Einheit von Wort und Ton, von dramatischer und musikalischer Erfindungsgabe brach sich im Vorfeld des „Figaro“ definitiv ihre Bahn. Nikolaus Harnoncourt, der in der Partie des Buff auch noch ein Sängerdebüt bestreitet, ist mit vorzüglichen Sängern und dem Amsterdamer Concertgebouw Orchester glänzend umgeben. (Teldec 8.43336). Peter Fuhrmann

Jennifer Warnes: „Famous Blue Raincoat“

Wer Jennifer Warnes nur als Duett-Partnerin von diversen Leonard-Cohen-Platten oder von Joe Cocker kennt, hat exzellente Solo-Platten verpaßt, mit der sie sich seit 1976 als Komponistin und, besser noch, als vielseitige Interpretin profilierte – unter anderem mit einer a capella gesungenen Version von Stephen Fosters Arme-Leute-Hymnus „Hard Times, Come Again No More“, bei der sie mit unvergleichlichen Gospel-Qualitäten glänzte und die ihr Talent noch eindrucksvoller bewiesen als Erfolgslieder wie „Right Time of the Night“. Ihre jüngsten Aufnahmen, ausnahmslos von Leonard Cohen geschrieben, zeigen zum einen, daß sie von diesem Vokaltalent nichts eingebüßt hat, zum anderen aber auch wieder, daß der Komponist nicht immer der beste Interpret seiner Lieder war. Zwar ertrinkt ausgerechnet der Titelsong von „Famous Blue Raincoat“ in Saxophon-Melancholie und Streichersoße. Dafür ist die a capella-Fassung von „A Singer Must Die“ wieder perfekt gelungen; darf man die hier gebotene Version von „Came So Far For Beauty“ getrost als die definitive betrachten; spielt David Lindley beim Gospelrocker „Coming Back To You“ seine Steelgitarre so delikat wie lange nicht mehr. Unterstützt wird Jennifer Warnes von einer durchweg vorzüglichen Aufnahmetechnik. Kein Wunder, denn als guardian angel, der hier alles überwachte, ist Joni Mitchells Produzent Henry Lewy notiert. (Cypress Records/Ariola 208 418) Franz Schöler