Aufmerksamen Lesern der Kursteile in den Tageszeitungen wird eine kleine Tabelle nicht entgangen sein, die dort seit kurzem zu finden ist. Die Blätter veröffentlichen Preise für Devisenoptionen, die deutsche Großbanken den Redaktionen mitteilen.

„Grundsätzlich ist das Optionsgeschäft eine Vereinbarung“, erklärt Burkhard Voss-Henrich, Abteilungsleiter Devisenoptionen und Financial Futures bei der Dresdner Bank, „die dem Optionskäufer das Recht – aber nicht die Pflicht – einräumt, einen bestimmten Gegenstand zu einem genau festgelegten Preis (Basispreis) innerhalb eines bestimmten Zeitraumes vom Optionsverkäufer zu erwerben oder an ihn zu verkaufen.“ Der Optionskäufer zahlt für dieses Recht an den Optionsverkäufer – den Stillhalter – einen Optionspreis, auch Optionsprämie genannt. Das Recht, einen Gegenstand zum Basispreis zu kaufen, nennt man Kaufoption; das Recht, einen Gegenstand zum Basispreis zu verkaufen, heißt Verkaufoption.

Im Devisenoptionsgeschäft erwirbt der Käufer einer Kaufoption zum Beispiel über 50 000 amerikanische Dollar also das Recht, diesen Betrag vom Verkäufer innerhalb einer festgelegten Frist zu einem festvereinbarten Kurs zu erwerben, unabhängig davon, wie sich der Wechselkurs des Dollars während der Laufzeit der Option verändert.

Ein Beispiel: Am 31. Juli kostete eine sechsmonatige Dollar-Kaufoption bei einem Basispreis von 1,85 Mark pro Dollar bei der Dresdner Bank genau 4,25 Pfennige für einen „Optionsdollar“. Ein Kontrakt über 50 000 Dollar, das ist die Mindestsumme, über die die Bank derartige Geschäfte abschließt, erfordert also den Einsatz von 2125 Mark. Dafür erhält der Optionskäufer das Recht, die Dollar nach sechs Monaten, genau am 2. Februar 1988, zum vereinbarten Preis von der Bank zu kaufen. Kostet der Dollar an diesem Tag beispielsweise 1,95 Mark, so werden die 50 000 Dollar zu 1,85 Mark an- und sogleich am Devisenmarkt für 1,95 Mark verkauft. Der Optionskäufer streicht dabei einen Gewinn von zehn Pfennigen pro Dollar ein, also 5000 Mark. Abzüglich der Kosten für die Option von 2125 Mark, bleiben unterm Strich also 2875 Mark Gewinn. Das ist eine stolze Rendite von rund 135 Prozent in einem halben Jahr.

Natürlich kann der Optionskäufer die Option auch zwischendurch an die Bank zurückgeben. Wenn etwa der Dollarkurs schon nach drei Monaten auf 1,95 Mark klettert, so wird dadurch auch die Option wertvoller. Der Preis dürfte dann rechnerisch auf gut neun Pfennige pro Dollar steigen. Abzüglich der Einstandskosten bleibt so dem Optionsinhaber ein Nettogewinn von rund fünf Pfennigen pro Dollar oder insgesamt 2500 Mark.

Allerdings: Verharrt der Dollarkurs in den kommenden sechs Monaten immer unter der Marke von 1,85 Mark, so ist am 2. Februar 1988 die gezahlte Optionsprämie endgültig dahin, das eingesetzte Kapital ist verloren. Denn der Optionskäufer wird von seinem Recht keinen Gebrauch machen, da er die Dollar am Devisenmarkt billiger bekommen kann.