Der große Wettstreit der Hochseesegler vor der englischen

Von Uwe Prieser

er Signalgast Ihrer Majestät drückte sich die Ohrenschützer auf das Haar, setzte seine weiße Kapitänsmütze mit dem Wappenspruch „Gott und mein Recht“ wieder auf, dann zündete er die kleine Messingkanone auf dem Wall vor der vierhundert Jahre alten Festung, in der der älteste Segelklub der Welt residiert, die Royal Yacht Squadron.

Die Uferpromenade von Cowes lag in dem Frieden eines sonnigen Augustnachmittages. Heiter zogen die Wolken an der englischen Kanalküste entlang ostwärts. Der Kanonenschuß donnerte über die Bucht des Solent. Noch fünf Minuten bis zum Start des Channel Race des zweiten Rennens um den Admiral’s Cup der Hochseesegler. An Bord der 42 Jachten raste jetzt die Zeit.

Die Mannschaften starrten zu den Wolken hinauf. Würde der Wind ihr Verbündeter sein oder ihr Gegner? Vor ihnen lagen die Meerenge von Hurst Castle, ein Abend, eine Nacht und ein langer Tag und die Weite des Meeres. Aber das Meer war in Hunderte von Koordinaten eingeteilt, Strömung, Wassertiefe, Zeitpunkte von auflaufendem und ablaufendem Wasser, berechnete Kreuzschläge, wenn der Großbaum unter dem Druck des Windes und dem Schmettern der Segel über die Köpfe der Crew von einer Seite auf die andere Seite sauste. Draußen auf dem Wasser fegte der Wind mit 25 Knoten Geschwindigkeit die Gischt von den Wellenkämmen. Soviel Wind hatten die Meteorologen nicht vorhergesagt. Vor ihnen lagen 213,6 Seemeilen oder 395,6 Kilometer berechnete und doch immer unbekannte See.

Der Pfahl mit der vergoldeten Spitze, der am Anlegeplatz der königlichen Familie, der Mitglieder der Royal Yacht Squadron und der Seeleute im Dienste ihrer Majestät im Wasser stand, leuchtete so strahlend weiß wie die Hosenbeine der Segler beim Empfang geleuchtet hatten. Da standen sie im Garten auf dem kurzgeschnittenen englischen Rasen zwischen Rosenstöcken und kaltem Buffet. Eine Jazzband spielte. Die Mädchen in den weißen Blusen und den schwarzen Röcken hielten tapfer ihre Tabletts mit Sherry und Champagner in den Wind. Am königlichen Steg legte ein Motorboot an. Jemand von den Windsors, den Mountbattens?

Der Krieg gegen Argentinien hat eine Reihe britischer Hochseesegler einige ehrenvolle Jahre Mitgliedschaft gekostet. In der exklusiven Royal Yacht Squadron steht Seeadel und Landadel auf der Warteliste. Im Prinzip wollte der Klub immer nur soviel Mitglieder haben, wie das Jahr Tage hat. Nur bei einem Todesfall kann nachgerückt werden. Nach dem Falklandfeldzug waren einige frische Seehelden als Mitglieder unvermeidlich.