ZEIT: Herr Steves, was hält der BDI davon, daß Wirtschaftsminister Martin Bangemann die deutschen Unternehmen auffordern will, künftig nicht mehr in Südafrika zu investieren?

Steves: Diese Empfehlung ist uns ja seit dem Beschluß des EG-Ministerrates vom September vergangenen Jahres schon bekannt. Die Unternehmen, die in Südafrika engagiert sind, haben das durch die breite Publizität der Beschlüsse bereits damals aufmerksam zur Kenntnis genommen. Von daher könnte man sagen, daß es einer förmlichen Aufforderung eigentlich nicht mehr bedürfte.

ZEIT: Die Firmen haben den EG-Beschluß längst vollzogen und investieren überhaupt nicht mehr in Südafrika?

Steves: Ob überhaupt nicht mehr investiert wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Anzunehmen ist, daß Investitionen, soweit sie erfolgen, sich darauf beschränken, den Betrieb in Gang zu halten. Die Erhaltung von Produktionsstätten und Arbeitsplätzen in Südafrika wird durch den Beschluß des EG-Ministerrates nicht tangiert. Denkbar sind neue Investitionen etwa für die Modernisierung oder Erweiterung von Lehrlingswerkstätten. Das halten wir übrigens für eine notwendige Aktivität. Denn nichts wird für schwarze Arbeitskräfte mehr benötigt als qualifizierte Ausbildung. Dieser Bereich ist deshalb auch nicht von dem EG-Beschluß betroffen.

ZEIT: Gibt es konkrete Belege für die Zurückhaltung deutscher Firmen?

Steves: Es gibt eindeutige Zahlen, so die verläßliche Statistik der Deutschen Bundesbank. Daraus ist zu entnehmen, daß der Bestand an direkten und indirekten Investitionen deutscher Unternehmen in Südafrika mit 2,48 Milliarden Mark Ende 1983 den höchsten Stand erreicht hat. Er ist dann Ende 1984 auf 2,03 Milliarden Mark zurückgegangen. Ein weiterer beinahe dramatischer Rückgang erfolgte 1985. Der Bestand ging auf 1,181 Milliarden per Ende 1985 zurück. Der Bundesbankübersicht ist auch zu entnehmen, daß 1985 in Südafrika 315 Unternehmen mit 49 000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 7,5 Milliarden Mark tätig waren. 1983 lag der Umsatz dagegen noch bei 10,3 Milliarden Mark. Diese Zahlen beweisen unserer Ansicht nach eindeutig den rückläufigen Trend. Auch die Importe aus Südafrika sind stark zurückgegangen. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 27 Prozent. Die Exporte waren im vergangenen Jahr gegenüber 1984 um 37 Prozent niedriger. Bis Mai dieses Jahres ist eine Stagnation festzustellen, allerdings gegenüber dem schon sehr niedrigen Niveau von 1986.

ZEIT: Kann man daraus schließen, daß die Deutschen in eine Absatzlücke hineinstoßen, die von anderen hinterlassen wurde, die sich aus Südafrika-Geschäften zurückgezogen haben?