Markt-Report

Am deutschen Aktienmarkt sind die in den ersten Monaten dieses Jahres eingetretenen Kursverluste ausgeglichen – jedenfalls gemessen an den Indizes. Insgesamt hat sich die Entwicklung differenziert vollzogen. Auf der Verliererseite liegen weiterhin Bau- und Bankaktien. Auch das Spitzenpapier Daimler hat noch nicht wieder zu seinem Stand am Jahresanfang zurückgefunden.

Ein Vergleich der Weltbörsen zeigt, daß der deutsche Aktienmarkt trotz der Erholung in den ersten sieben Monaten dieses Jahres immer noch zu den Schlußlichtern zählt. Schlechter abgeschnitten haben lediglich Zürich und Mailand.

Der Kursverfall des Dollars und die revidierte Berechnungsmethode bei der Ergebnisermittlung waren die wesentlichen Ursachen für die zeitweise Schwäche des deutschen Marktes. Mit dem Wiederanstieg des Dollars hat sich die Situation gewandelt. Mit Sorge wird jetzt gefragt, wie echt der feste Dollar denn sei. Sicherlich spielt die Krise im Persischen Golf eine wesentliche Rolle. Denn in Zeiten internationaler Spannungen flüchten große Teile des internationalen Kapitals in die Währung der stärksten westlichen Macht. So erklärt sich, daß der jüngste Kursanstieg des Dollars auf dem deutschen Aktienmarkt nicht mehr stimulierend wirkte. Es kam sogar auf breiter Front zu Gewinnmitnahmen, vor allem in den international bekannten Spitzenwerten. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Aussichten auf einen länger anhaltenden Aufschwung des deutschen Aktienmarktes keinesfalls geschwunden sind. Als aussichtsreich gelten nach wie vor die Aktien von BASF, Bayer und Hoechst. Der Chemiesektor ist währungsunabhängiger geworden. Überdies haben sich die Konjunkturaussichten gerade in dieser Sparte weiter verbessert. Gewißheit darüber werden von den demnächst erscheinenden Zwischenberichten erwartet.

Auf dem Automobilsektor ist der rasante Anstieg von BMW zunächst einmal zum Stillstand gekommen. Einige Banken haben empfohlen, in Daimler-Aktien umzusteigen, die analytisch gesehen preiswerter sind. Die Gerüchte über angebliche Käufe japanischer Autokonzerne, die sich bei BMW – wie es heißt – einkaufen wollen, sind allmählich verstummt.

Daß das Geld weiterhin locker sitzt, hat sich bei den Spekulationen um die Klöckner-Bezugsrechte gezeigt. Obwohl sie rechnerisch ohne Wert waren, weil der Börsenkurs der alten unter dem Emissionspreis der jungen lag, hat es Anleger gegeben, die für das Bezugsrecht bis zu 70 Pfennig gezahlt haben. Dies in der Hoffnung, der Kurs der Klöckner-Altaktien würde die Marke von 150 Mark überspringen und dann dem Bezugsrecht einen realen Wert verleihen. Dabei blieb unbedacht, daß die Klöckner-Aktie ohnehin vergleichsweise überbewertet ist. K.W.