Die gute Kooperation zwischen beiden Teilen Berlins beschränkt sich nicht nur auf Sightseeing und Gastronomie. Auch die Ost-Hotellerie mit ihren fünf Valuta-Häusern profitiert von dem Andrang im Westen. Wenn dort kein Bett mehr frei ist, weichen betuchte Besucher und Geschäftsleute auf die komfortablen Herbergen jenseits der Mauer aus.

Den willkommenen Zulauf verdanken die Hotelmanager in Ost-Berlin ihren Kollegen im Westteil der Stadt, zu denen sie seit einigen Jahren beste Beziehungen unterhalten. Wer in den großen Häusern um den Kurfürstendamm nicht mehr unterkommt, wird freundlich auf die Dienstleistungen im Ostteil hingewiesen. Daß die Hotels dort meist halten, was ihre bunt-glänzenden Prospekte versprechen, hat sich schnell herumgesprochen. So sind beispielsweise im „Palast-Hotel“ am (Ost-) Berliner Dom alle 600 Zimmer und Appartements mit Bad, Fernseher, Radio und Direktwahl-Telephon ausgestattet.

Dem internationalen Niveau dieses Fünf-Sterne-Hotels der Klasse „Suprahotel“, das mit kulinarischen Spezialitäten in zwölf Restaurants wirbt, entsprechen allerdings auch die Preise. In der Hauptsaison von Mai bis Ende Oktober kostet ein Einzelzimmer mit Frühstück 180 D-Mark, ein Doppelzimmer 250 D-Mark. In den luxuriösen Fünf-Sterne-Hotels wie dem „Metropol“ und dem „Palast-Hotel“ kann sogar direkt gebucht werden, Wer telephonisch reserviert, darf „mit der fernschriftlichen Bestätigung problemlos einreisen“, versichert Reinhardt Hellmann, der Protokoll-Chef des „Palast-Hotels“. Das Visum besorgt, wie bei allen Valuta-Hotels, die Rezeption.

Der Gast, für den sich der geteilte Himmel über der Stadt so mühelos geschlossen hat, nimmt häufig auch den Volvo-Service mit Chauffeur in Ansprach. Für 80 D-Mark wird er vom West-Flughafen Tegel abgeholt und über die Prinzenstraße zu seinem Quartier kutschiert. Der Wagen wird – gegen Devisenzahlung – auch für Unternehmungen in West-Berlin vermietet.

Zu den Pluspunkten einer Übernachtung in Ost-Berlin gehört auch, daß der Gast im Anschluß mühelos auf Reisen durch die DDR gehen kann, weil er dann schnell ein Visum und Zimmerreservierungen für andere Städte erhält. Mit diesem Service wirbt unter anderem der Prospekt des „Palast-Hotels“, das auch bereit ist, Tagesausflüge und eine Bootspartie auf der hoteleigenen Yacht zu arrangieren oder Fahrten auf Ostberliner Gewässern.

Dennoch kann bürokratische Engstirnigkeit gelegentlich den reibungslosen Grenzverkehr behindern, beispielsweise wenn auf den Papieren ein Stempel fehlt; Einen Münchner Journalisten, der mit amerikanischen Kollegen im Hotel „Unter den Linden“ wohnte, brachten die Grenzbeamten buchstäblich um den Schlaf. Alles lief reibungslos, bis die Grenzer entdeckten, daß der später eingereiste Journalist noch kein Visum hatte und demnach illegal in seinem Ost-Bett schlief. Morgens um fünf wurde er zum Übergang Friedrichstraße beordert, wo die Beamten drei Stunden lang nach den Gründen für den fehlenden Eintrag forschten, Der Betroffene bewertet seinen nächtlichen Ausflug trotzdem nicht als typische Schikane, sondern als einen „Bruch in der Kette“.

Mit besonderen Extras und Raffinessen ist das „Grand Hotel“ ausgestattet, das in diesen Tagen in der Friedrichstraße, an der Kreuzung „Unter den Linden“, eröffnet wird. In das 600-Betten-Haus, das von einem japanischen Unternehmen geleitet wird, sind Passagen und Boutiquen, ein Wintergarten, ein Varieté, ein gläsernes Atrium, ein Thermalbad und ein Springbrunnen hineingebaut. Das Einzelzimmer soll 275 D-Mark, das Doppelzimmer 300 bis 400 D-Mark kosten.