„Glitzernder Asphalt“ von Jerry Schatzberg

Hoch oben über der Stadt, in der Redaktion des New York Journal, kündigt ein Journalist eine Reportage mit einem Zuhälter an. Weit unten am Times Square, in einem Stundenhotel, wird ein Mann ermordet, von einem Zuhälter. Bei seinen Recherchen dort unten wird Jonathan Fisher keinen Fuß auf den Boden kriegen. Aber er schreibt seine Geschichte trotzdem, und er schreibt sie gut. Weil er sie erfindet.

Sich ein Bild von der Welt machen, das kann Fisher. Und er bekommt dafür eine eigene Sendung. In „Streetsmart“ – so heißt auch Schatzbergs Film im Original – berichtet er vom harten New Yorker Alltag. Gewandt und charmant macht er das, weil er die Kamera im Rücken hat. Seine Sendungen sind schnell exekutiert: kurze Blicke auf die Straße, Schnappschüsse einer Stadt. Fisher ist ein Amateurschütze. Dem schmerzhaft langen Blick des Profis hält er nicht lange stand.

Der echte Zuhälter stolpert über das fingierte Porträt; über die Lüge kommt die Justiz der Wahrheit auf die Spur. Das Gericht will Fishers Notizen, der Mörder ein Alibi. Der Journalist kann keines von beiden liefern. Die Folgen sind fatal: ein ruinierter Ruf, eine verletzte Freundin und eine tote Informantin. Der Mann ist wirklich ein blutiger Anfänger.

Im Kräftemessen des Zuhälters mit dem Journalisten, der Realität mit ihren Abbildern gerät jede Geste zu einem Dementi der Fiktion und jedes Bild zu einem Plädoyer für die Fakten. Der Regisseur tritt beiseite, der Film spricht für sich. Schatzberg weiß alles für seine Zwecke zu nutzen. Er ist eben ein echter Profi. Michael Althen

„Gefährliche Freundin“ von Jonathan Demme

Kino aus zweiter Hand: Wenn am Anfang der brave Charlie (Jeff Daniels) der fatalen Lulu (Melanie Griffith) verfällt und sich von ihr locken läßt auf die schiefe Bahn – dann erinnert man sich gleich an David Lynchs „Blue Velvet“. Wenn die schiefe Bahn erreicht ist, das Pärchen auf ihr durch die Nacht rutscht, und der Regisseur das Tempo steigert – dann muß man an John Landis’ „Into The Night“ denken. Auf einer Party begegnen wir „Peggy Sue“, am Rande stehen die Dunkelmänner aus „After Hours“, später gibt’s ein „Blind Date“ und am Schluß wird Lulu verzweifelt gesucht. „Something Wild“ (Originaltitel) ist ein Film aus Fertigteilen. Aber Jonathan Demme, der ein begabter Bastler ist, hat daraus etwas Neues, etwas Wildes konstruiert: Die Story von einem, der auszog, das Leben zu lernen. Der Held sieht aus wie ein schamloser Yuppie, wird später als Würstchen enttarnt und zeigt am Schluß, daß doch ein harter Bursche in ihm steckt. Das Mädchen spielt die Fatale, entpuppt sich aber bald als Hausfrau und beweist am Ende, daß doch ein Feuer in ihr brennt. Demmes Film beginnt ab Komödie, tendiert zwischendurch ins Melodram und läuft schließlich auf einen knallharten Thriller hinaus. Keiner kann sich auf den Augenschein verlassen, jeder Deutungsversuch wird abgeschmettert und kehrt wie ein Bumerang zum Zuschauer zurück. Demme blickt nicht hinter die Dinge, er zeigt die Dinge, wie sie sind: in Bewegung. Und aus Zuschauern werden Gehetzte. Claudius Seidl