Peter Rosei: „Die Wolken“

Peter Rosei hat so unterschiedliche Texte verfaßt wie das formalistische Prosastück „Von Hier nach Dort“ und die atmosphärisch dichte Poe-Beschwörung „Wer war Edgar Allan?“. Seine Erzählung „Die Wolken“ soll nach dem Willen des Autors zusammen mit fünf anderen Büchern, von denen drei schon erschienen sind, eine Art „Flügelaltar“ bilden, wobei die spröden „15 000 Seelen“ vermutlich im Zentrum stehen. Die Erzählung (Residenz Verlag, Salzburg 1986; 154 S., 24,– DM) handelt vom scheiternden Ausbruch einer verheirateten Frau in eine erfüllte Liebe. Soweit, so belanglos. Was diesen schlichten Entwurf spannend macht, ist die Weise, in der die Sprache das in ihr Berichtete schon dementiert, noch ehe die Niederlage zum Thema wird. Die einfachen, isolierten, filmisch hart aneinander geschnittenen Sätze suggerieren schon die Unfähigkeit zum Miteinander, wenn noch vom Glück die Rede ist. So nimmt die Sprache auch zurück, was am Ende steht: die Rückkehr ins Familien-Idyll. Ist der Preis die Resignation, der Verzicht auf Selbstverwirklichung? Es wäre kurzschlüssig, wollte man die Haltung der Protagonistin mit der Haltung der Erzählung gleichsetzen. Einmal mehr werden wir bei Rosei daran erinnert, daß Inhalt und Form sich nicht trennen lassen. Anregend ist die Reibung zwischen dem, was gesagt, und dem, wie es gesagt wird. Thomas Rothschild