Von Pat Sidley

Der verängstigte Junge stand still im Abstellraum einer Kirchenhalle in Botshabelo. Die Polizei, so hatte er gehört, sei hinter ihm her. Er wußte, was das heißt.

Ihn erwartete das gleiche wie seine Freunde, ihm Zehntausende von Kindern und Jugendlichen in Südafrika, die schon in der Hand der Polizei waren. Bis vor kurzem saßen mindestens 1400 Kinder unter 18 schon in südafrikanischen Gefängnissen. Viele der Kinder wurden auf unbestimmte Zeit festgehalten, andere vor Gericht gestellt und wegen „öffentlicher wurden bis zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Vor einigen Wochen allerdings hat die südafrikanische Regierung – sei es auf politischen Druck vom Ausland hin, sei es, um in den überfüllten Gefängnissen Platz sei schaffen – etwa 1000 Gefangene freigelassen, darunter auch viele Kinder. Dies seien alle inhaftierten Kinder unter 16 Jahren, erklärte Adrian Vlok, der südafrikanische Minister für Recht und Ordnung, ohne allerdings genaue Zahlen zu nennen der ohne anzugeben, wie viele Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren noch gefangengehalten werden.

Nur soviel ist bekannt: Einige Kinder wurden nicht nach Hause entlassen, sondern durften dort nur ihre Kleider holen, sie wurden anschließend in Umerziehungslager geschickt. Einige der Kinder wurden sofort nach der Entlassung wieder zu Hause von der Polizei aufgesucht und verhört. Dies berichtet die „Free the Children Alliance“, ein Verband von Bürgerrechtsbewegungen.

Audrey Coleman ist Mitglied einer dieser Gruppen, des „Komitees zur Unterstützung von Eltern verhafteter Kinder“ (DPSC). Eine weiße, wohlhabende Südafrikanerin, die durch die Verhaftung ihrer beiden Söhne politisiert wurde. Bei ihr laufen die Berichte der Kinder zusammen, die nach der Entlassung über ihre Zeit im Gefängnis sprechen.

Aus diesen Berichten weiß Audrey Coleman, daß die Kinder nicht von gewöhnlichen Kriminellen getrennt werden; sie werden in normale Gefängnisse gesteckt, meistens in überfüllte Zellen ohne sanitäre Einrichtungen. Bis zu 40 Personen drängen sich in diesen kalten und verschmutzten Räumen. Alle Kinder klagen über unzureichendes Essen. Viele wurden gefoltert, belästigt und geprügelt. Nicht wenige Kinder, so das DPSC, seien erst elf, manche sogar erst neun Jahre alt.

Der elfjährige Fanie Goduka verbrachte 57 Tage in einem Johannesburger Gefängnis. Während eines Gewitters hatte er in einem Rohbau Unterschlupf gesucht. Dabei wurde er von einem Polizeikommando verhaftet, das auf der Suche nach Kindern war, die Steine auf Autos geworfen haben sollten. Er bestritt heftig, was ihm vorgeworfen wurde.