Mitten auf der deutsch-französischen Grenze soll in Lothringen ein archäologisches Freilichtmuseum entstehen. Die Ausgrabungsstätte lockt jetzt schon jährlich über 30 000 Besucher an.

Seit 14 Jahren arbeiten französische Archäologen im lothringischen Bliesbruck an der Ausgrabung einer gallorömischen Kleinstadt. Da auch auf der anderen Seite des Schlagbaumes, im deutschen Reinheim, wertvolle Funde vermutet werden, hat man sich jetzt zu einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit entschlossen.

Jean-Paul Petit und Jean Schaub, Grabungsleiter auf französischer Seite, erinnern sich mit Schaudern daran, wie die Überreste der Siedlung durch den Bau neuer Wohnhäuser und durch die Ausbeutung einer Kiesgrube vor Jahren fast zerstört worden wären: „Mit Geld aus eigener Tasche kauften wir den Landwirten Felder und Wiesen ab, um die antiken Funde im allerletzten Augenblick vor den Baggerschaufeln zu retten.“

Die französischen Behörden zeigten sich anfangs gleichgültig, und so waren Jean-Paul Petit und Jean Schaub auf freiwillige Helfer angewiesen, um die alten Gemäuer auszubuddeln und zu rekonstruieren. Als sich dann nach und nach herausstellte, daß man es mit einem einzigartigen „vicus“, einem römischen Marktflecken mit bedeutender Handwerkertätigkeit, zu tun hatte, wurde man auch in den Amtsstuben hellhörig. 1983 erklärte das Mosel-Departement die Fundstätte zum Gelände öffentlichen Interesses und erwarb den größten Teil der Acker, unter denen weitere Überreste der antiken Bauten verborgen liegen.

Mittlerweile haben die Archäologen nebst einer eisenverarbeitenden Werkstätte, einem Keramikatelier, einer Bronzegießerei, einer Bäckerei und mehreren Geschäften mit Innenhöfen auch zahlreiche Opfergruben und -schächte freigelegt, die auf eine ausgedehnte Kultstätte im ersten bis dritten nachchristlichen Jahrhundert hindeuten.

Von Anfang an hatte das französische Grabungsteam auf privater Ebene mit befreundeten Kollegen aus dem Saarland zusammengearbeitet. Denn auch auf deutschem Territorium war man schon vor geraumer Zeit auf Spuren intensiver Besiedlung von der späten Bronzezeit bis ins späte Mittelalter gestoßen. So grub man 1954 das bekannte „Fürstinnengrab von Reinheim“ aus dem vierten Jahrhundert aus, das jetzt im Saarbrücker Landesmuseum besichtigt werden kann.

Doch die saarländischen Landesväter taten sich schwer, Gelder für eine offizielle französisch-deutsche Kooperation lockerzumachen. Als jedoch die Politiker beider Länder Gefallen am Symbolcharakter eines grenzüberschreitenden Teamworks fanden, gab man vor einigen Monaten auch auf deutscher Seite grünes Licht für die Schaffung eines gemeinsamen Freilichtmuseums, das man später sogar zu einem „Europäischen Kulturpark“ ausbauen will. Andrei Miron, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken, kann nun längst gehegte Pläne in die Tat umsetzen: „Noch in diesem Jahr werden wir in direkter Nachbarschaft, zu dem Fürstinnengrab eine Großgrabung an einer Stelle vornehmen, wo ein römischer Sakralbau und wahrscheinlich auch eine früheisenzeitliche Bestattungsstätte vermutet werden.“