In keinem anderen afrikanischen Land sind die Gewerkschaften so stark wie in Südafrika. Sie stellen derzeit die mächtigsten Widersacher der Apartheid-Regierung dar, wie der mutige Streik von mehr als 200 000 Bergleuten der Gold- und Kohlegruben beweist. Er trifft das Regime und die Wirtschaft an ihrer empfindlichsten Stelle: Ohne die Erträge aus den Goldausfuhren wäre das „weiße“ Südafrika längst am Ende.

Die Zugkraft der jungen und oft uneinigen Gewerkschaften – von denen manche mit der Widerstandsorganisation African National Congress enge, aber nicht immer einfache Beziehungen unterhalten – kommt nicht von ungefähr: Wer kein Wahlrecht hat, mißt der Gewerkschaftsfreiheit eine um so größere Bedeutung zu. In einem undemokratischen Land ist es nur natürlich, daß sich selbstbewußte Gewerkschaften wie seinerzeit die Solidarnosc in Polen oder jetzt die Cosatu in Südafrika mehr und mehr „politisieren“.

Dieser Entwicklung will jetzt die Regierung in Pretoria wehren. Sollten die Gewerkschaften aber zerschlagen oder eingeengt werden, dann würden damit Arbeitskämpfe als eine der letzten Möglichkeiten gewaltfreier Anfechtung des Regimes erschwert. Ro. W.