Von Viola Roggenkamp

Fulda

Vor der Schwurgerichtskammer in Fulda hätte der Prozeß gegen Monika Weimar in diesen Tagen abgeschlossen werden sollen. Doch das Gericht kommt nicht voran. Der Vorsitzende Richter Klaus Bormuth hört zwar jeder kleinsten Auffälligkeit hinterher und tastet nach, doch seine Sorgfalt stiftet wenig Klarheit. Das liegt nicht an ihm, sondern an der dürftigen Arbeit der Kriminalpolizei, die teilweise oberflächlich oder sogar falsch ermittelt hat. Jedenfalls darüber scheinen sich alle Prozeßbeteiligten einig zu sein. Unbeantwortet ist dagegen nach fünf Monaten immer noch die Frage, ob Monika Weimar zu Recht des "heimtückischen Doppelmordes" an ihren beiden Kindern Melanie (7) und Karola (5) angeklagt ist oder ob jemand anders, womöglich der Vater der Kinder, Reinhard Weimar, die beiden Mädchen umgebracht hat.

Am 23. Verhandlungstag brachte auch der 74. Zeuge wenig Aufschluß, wiewohl gerade er mit Spannung erwartet worden war: Raimund Sauter hatte als ermittelnder Staatsanwalt die "Sonderkommission Weimar" in den ersten Monaten geleitet, hatte zunächst den Vater, dann die Mutter und schließlich doch den Vater für "dringend tatverdächtig" gehalten und dem Haftrichter vorführen wollen. Aber so weit war es nicht gekommen. Sauter wurde abgesetzt, der "Fall Weimar" wurde ihm entzogen. Entgegen seinen Ermittlungen wurde die Mutter verdächtigt und verhaftet.

Nicht zuletzt ein enormer Druck der Öffentlichkeit hatte zu diesem Meinungswechsel in der "Sonderkommission Weimar" geführt: Der betrogene Ehemann Reinhard Weimar, "das arme Schwein", hatte es nicht sein sollen, sondern die "Ami-Hure", die "eiskalte Mörderin", als die Monika Weimar wegen ihrer Liebe zu dem US-Soldaten Kevin Pratt öffentlich vorgeführt wurde, in der Presse wie in ihrem nordhessischen Heimatort Philippstal.

Staatsanwalt Sauter hatte damals – teilweise auf der Basis falscher polizeilicher Untersuchungsergebnisse – Zeugen vernommen, deren Aussagen für die immer noch umstrittene Tatzeit von großer Bedeutung sind: Waren die beiden Mädchen in der Nacht von Sonntag auf Montag, dem 3./4. August 1986, ermordet worden oder am Montag zwischen 10 und 12 Uhr?

Ein Zeuge will die beiden Kinder noch am Montagmorgen gesehen haben. Er habe sie erkennen können, weil er sie auch am Samstag und Sonntag davor gesehen habe. Um die Glaubwürdigkeit des Zeugen zu testen, hatte Staatsanwalt Sauter auch nach anderen Kindern gefragt. Zum Beispiel nach Tanja, einem Nachbarskind.