Die SPD schiebt die Entscheidung über die Hafenstraße den Liberalen zu

Von Bartholomäus Grill

Hamburg, im August

Verwahrloste Hauswesen im Hintergrund, vernagelte Fenster, verriegelte Türen; davor verwaistes Baugerät, aufgebrochene Zementsäcke; und mittendrin eine alleingelassene Betonmaschine, deren Trommel sich dreht und dreht. Nichts sonst regt sich. So könnte ein gelungenes Bühnenbild zu einem absurden Schauspiel aussehen. Doch zwischen den Landungsbrücken und dem Fischmarkt wird nicht gespielt, sondern gekämpft. Hier stehen jene acht besetzten Gründerzeitbauten, die seit Jahren in Hamburg Schlagzeilen machen.

Das Stück Wirklichkeit an diesem verregneten Abend heißt "Warten auf die Staatsmacht", Regie führen der Bürgermeister und an die 150 Leute in der Hafenstraße. Der Zementmischer grummelt vor sich hin, die Besetzer haben sich in ihre Festung zurückgezogen: Zeit zur Beratung vor einem wichtigen Tag. Sie erwarten, daß der geschäftsführende Senat über Sein oder Nichtsein des umstrittenen Projekts entscheidet. Da binnen 24 Stunden alle rechtskräftigen Räumungstitel in den Händen der Eigentümer sein sollen, steuert das sonderbare Drama möglicherweise einem Höhepunkt entgegen.

Spektakel in rechtsfreiem Raum

So mancher kühle Hanseat verliert mittlerweile die Geduld, weil sich die Handlung in einem rechtsfreien Raum abspielt. Man solle sich doch erst mal um die Delikte in der Hafenstraße kümmern, bevor man unbescholtene Leute wegen kleiner Ordnungswidrigkeiten traktiere. Solche Vorwürfe bekommen seine Beamten neuerdings oft zu hören, wenn sie zum Beispiel Parksünder belangen, klagt Erhard Pumm, Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei.