Zwanzig Jahre war der Name Alkem nur Eingeweihten ein Begriff; seit zwei Jahren ist die Hanauer Plutoniumfabrik als Politikum eine Chiffre, seit Anfang dieser Woche macht sie wieder Schlagzeilen. Zwei Manager und drei Beamte aus den Genehmigungsbehörden stehen vor Gericht – wegen unerlaubten Betriebs einer kerntechnischen Anlage und unzulässiger Veränderungen, genehmigt durch das Instrument der „Vorabzustimmungen“, die das Atomgesetz nicht kennt.

Über Schuld und Unschuld im strafrechtlichen Sinne wird das Gericht entscheiden müssen. Doch wie immer das Verfahren endet – einen Schlußpunkt unter die zwölf Jahre offenherziger Kumpanei von Politik, Unternehmen und Behörden kann das Urteil wohl kaum setzen. Alle wollten Kernkraft, alle brauchten „Hanau“, da hatte sich keiner unwohl gefühlt, der um der guten Sache willen das Gesetz großzügig handhabte.

Mindestens ein Angeklagter scheint nicht bereit zu sein, sich zum Sündenbock machen zu lassen. In einem Punkte kann er Zustimmung gewiß reklamieren: Ein Strafprozeß ist nicht das geeignete Verfahren, politische Verantwortung zu klären. H. B.