Kein Zweifel – Gummibärchen sind, wie soziologisch einwandfrei erwiesen, kein Naschwerk, sondern eine Weltanschauung. Doch was, bei Adorno und Habermas, was ist es, das diese kleinen Dinger so unwiderstehlich macht? Dank der jüngsten Aussendung des Hartmann + Reimer Kontakts sind wir der Problemlösung ein wenig näher gekommen: „Ihre Beliebtheit bei alt und jung verdanken Gummibären nicht zuletzt ihrer charakteristischen Beschaffenheit wie: hohe Transparenz, gute Fruchtnote, hohe Elastizität, hohe Brillanz.“ Ausgestattet mit derart umwerfenden Eigenschaften, darf man sich als Gummibärchen schon ein bißchen widerspenstigen Charakter erlauben. Mannhaft sträuben sich die kleinen Biester gegen jede Produktionsvereinfachung: „Trotz zahlreicher Versuche ist es noch nicht gelungen, die aufwendige Modultechnik zu ersetzen. Zwar konnten Verbesserungen im Bereich der Gießtechnik erzielt werden, jedoch konnte bislang der Reife- und Trocknungsprozeß nicht ausgeschaltet werden.“ Sieben Zutaten, ganz wie beim Kuchenbacken, braucht es, bis aus einer amorphen Masse ein Gummibärchen geworden ist. Und weitaus mehr als nur einen schnöden Küchenquirl. Nach dem Kochen und Aromatisieren kommt das Wichtigste: der Gießprozeß, der aus einem simplen Fruchtgummi ein Bärchen macht: „Die gereiften bzw. getrockneten Gummibärchen gelangen über den Kastenaufleger zur Kastentransportkette. Diese fördert den Kasten intervallmäßig zur Wendestation. Die Kastenentleerung erfolgt durch eine Drehung um 360 wobei Puder und Ware in die Reinigungsstation fallen. Die leeren Kästen werden zur Füllstation geführt und dort von neuem mit Puder gefüllt... Im Anschluß erfolgt das Glattstreichen der Kästen, hierbei wird die Stärke für den nachfolgenden Prägevorgang präpariert. Nach der Prägung, wozu Gipsstempel verwendet werden, erfolgt der Gießprozeß. Je nach Anlagentyp können bis zu sechs Farben gegössen werden. Das Gießen erfolgt über ein Kolbengießsystem, wobei das Gießgewicht über Kolbenhub und Öffnungszeit reguliert werden kann. Während der Puderkasten mit der frischen Ware zum Aufstapler befördert wird, erfolgt die Reinigung der im Auspuderbereich befindlichen Ware mit Reinigungsbürsten sowie konditionierter Luft.“

Und schon tritt diese Qualitätsarbeit ihren Siegeszug über den großen Teich an: „Besonders groß ist neuerdings das Verlangen der US-Bevölkerung nach Gummibärchen ‚made in Germany‘... der US-Verbraucher bevorzugt traditionelle Fruchtnoten (Himbeer, Erdbeer).“ Noch rätseln die Marktstrategen ob US-Präsident Reagan, „der neben seinen geliebten Jelly Beans auch Gummibärchen mag“, den neuen Boom ausgelöst hat. Wie auch immer: Seien wir großzügig. Schicken wir ihnen unsere Gummibärchen. Kauen stimmt friedlich. Wie wär’s damit: Für jede Pershing, die uns die Amerikaner schicken, kriegen sie von uns eine Million Gummibärchen.