Festung Bonn

Wenn Erich Honecker kommt, werden die Sicherheitsvorkehrungen, natürlich, wieder einmal nicht von Pappe sein. Aber dieses Thema ist für Bonn zu einem immerwährenden Problem geworden – auch im Sinne fortschreitender Perfektion. Zwar ist erst von Plänen die Rede, doch wahrscheinlich werden auch das neue Post- und Verkehrsministerium von Stacheldraht und Zäunen umgeben sein. Und wenn das Auswärtige Amt sich auf das alte Gebäude des Postressorts ausdehnen und einen Verbindungsflügel dazubauen kann, dann soll alles, wie es heißt, mit einem als „Biotop“ verkleideten Wassergraben zur Straße hin abgegrenzt werden. Das Amt für die große weite Welt hinter Wall und Graben?

Mit den Konservativen

Im sowjetischen Historikerstreit um die Vergangenheitsbewältigung hat sich Neues Deutschland demonstrativ auf die Seite des konservativen Flügels gestellt, der vor einer Neubewertung der Geschichte warnt. Das SED-Zentralorgan druckte einen Artikel der Prawda nach, in dem Leserbriefe zur Stalinismus-Debatte zitiert wurden. Der Autor der Prawda, L. Kurin, hatte für seinen Beitrag nur solche Zuschriften herausgestellt, die sich tendenziell gegen eine Reform der bisherigen Geschichtsschreibung richteten. So wendete sich Kurin indirekt auch gegen die Kritik an der übertriebenen Bewertung der Kriegsleistungen Breschnjews als Politkommissar im „Kleinen Land“ am Kuban. Der Prawda-Autor: „Wir alle stehen unwiderruflich in der Schuld der Kämpfer, gleich ob sie auf dem Kleinen Land ... oder vor Stalingrad gefallen sind.“ In der Literaturnaja gasjeta hingegen brachte der Historiker Jurij Poljakow deutlich zum Ausdruck, daß weder Breschnjew ein Kriegsheld noch das „Kleine Land“ ein entscheidender Frontabschnitt gewesen sei. Darüber – wie auch über alle seit Monaten vorgetragenen Argumente für eine Revision der Geschichtsschreibung – hat Neues Deutschland seine Leser bisher mit keinem Wort informiert.

Nüchterne Briten

In der Heimat von Whisky und Ale tobt ein erbitterter Kampf um die Öffnungszeiten der Gasthäuser. Während die britische Regierung sich anschickt, den öffentlichen Alkoholausschank auch nachmittags zu gestatten, prallen die Meinungen über diese Revolution im Gastgewerbe aufeinander. Hatten zunächst Mediziner die Debatte beherrscht und vor den Gefahren des Alkohols gewarnt, so haben sich nun die Bierbrauer und Whiskyproduzenten zu Wort gemeldet. In einer Broschüre versuchen sie nachzuweisen, daß die Briten zu den nüchternsten Europäern zählen. Ihr Autor behauptet: „Wir trinken kaum mehr als halb soviel wie die Franzosen, Portugiesen und Italiener.“ Leberzirrhose und öffentliche Trunkenheit seien im Inselreich so selten wie kaum irgendwo auf der Welt. Ob zwischen diesen erfreulichen Statistiken und den bisher so langen Sperrstunden der Pubs ein ursächlicher Zusammenhang besteht? Darüber schweigt die Broschüre. Trotzdem: Cheers!