Eine kleine österreichische Trilogie: Raimund und Schnitzler bei den Salzburger Festspielen, Schnitzler auch im Kino

Von Benjamin Henrichs

1. Der Bauer als Millionär

Jetzt kommen, sehr allmählich, die Theatermenschen aus den Ferien zurück. Die einen haben die Welt bereist, die anderen haben Sommertheater gemacht – wer es dabei anstrengender hatte, wer sich besser erholt hat, ist keine ganz einfache Frage. Klar ist nur, daß die Reisenden ein gutes Stück ärmer, die Sommerkünstler ein schönes Stück reicher geworden sind. Daraus folgt aber auch, daß die einen jetzt ein bißchen klüger und froher sein müssen, die anderen etwas unglücklicher – wenn Ferdinand Raimund recht hat, und natürlich hat er recht.

Ausgerechnet in Salzburg (jener Sommertheater-Gemeinde, die etwa auf halbem Wege liegt zwischen Korsika und Norderney), ausgerechnet den Salzburger Festspielgästen durfte nun Ferdinand Raimund (bei Eintrittspreisen bis 1200 Schilling) seine brave, bescheidene Wahrheit verkünden: daß der Reichtum böse macht und die Dürftigkeit froh. Eine Botschaft, die vom Premierenpublikum erwartungsgemäß mit Ovationen bedacht wurde.

Inszeniert hatte Jürgen Flimm, außerhalb der Theaterferien Intendant am Hamburger Thalia. Natürlich waren er und seine famosen Ausstatter Rolf und Marianne Glittenberg zu intelligent, um gleich in die erste, tiefste Falle zu tappen: Raimunds Lob der Armut in einem neureichen Prunk- und Protztheater untergehen zu lassen (können würden sie’s wohl schon).

Nein, auf der Bühne des Salzburger Landestheaters findet eher ein entspannt-beschwingtes Ferientheater als ein aufgedonnertes Festspieltheater statt. Flimms Inszenierung schmeißt sich nicht gleich lärmend an das österreichische Volkstheater heran – eine gewisse Fremdheit des Flachländers, des inszenierenden Großstädters vor Raimunds Alpenmärchenwelt ist ebenso unübersehbar wie angenehm.