Von Ulrich Stock

Als die CDU 1950 die Macht in Schleswig-Holstein übernahm, wußte ihr heutiger Ministerpräsident noch gar nicht, was CDU ist. Uwe Barschel war gerade sechs Jahre alt. 37 Jahre CDU-Regierung seitdem! Einschulung mit CDU, Stimmbruch mit CDU, Studium mit CDU, Hochzeit mit CDU, Ministerpräsident mit CDU, Flugzeugabsturz mit CDU. Uwe Barschel wird sich nicht vorstellen können, daß ausgerechnet am 13. September 1987 Schluß mit CDU sein soll.

In vier Wochen wird gewählt. Die Chancen der SPD sind so gilt wie noch nie. Zum einen liegt das daran, daß Björn Engholm dem sperrig-linken Landesverband eine bodenständige Ausstrahlung verschafft hat; zum anderen könnte die SPD vom Scheitern der kleinen Parteien profitieren.

Die Landtagswahl 1983 gewann die CDU deutlich mit 49 Prozent der Stimmen. Die SPD kam auf 43,7 Prozent. Die Grünen (3,6) und die FDP (2,2) blieben außen vor. Als schleswig-holsteinische Besonderheit gelangte die Dänen-Partei SSW mit einem Sitz ins Parlament.

Für die nächste Legislaturperiode ist verwirrend viel vorstellbar: daß Grüne und FDP ins Parlament einrücken oder nur die Grünen oder nur die FDP, daß beide wieder draußen bleiben, schließlich auch, daß die UWSH, die Unabhängige Wählergemeinschaft Schleswig-Holstein, die programmatisch zwischen der CDU und den Grünen liegt, die Fünf-Prozent-Hürde überspringt – obwohl das nicht sehr wahrscheinlich ist.

Arithmetik steht in Schleswig-Holstein derzeit hoch im Kurs: Wer braucht in welcher Konstellation wieviel Prozent? Bleiben alle drei Kleinen draußen, genügen für die absolute Mehrheit der Mandate schon 44 Prozent der Stimmen.

Demoskopen hielten sich zurück. Mit allen drei kleinen Parteien muß gerechnet werden, doch mit allen nur knapp. Wer will die Hand für 4,9 oder 5,1 Prozent ins Feuer legen? Die SPD, in Rauscher Manier, verkündet schon den Sieg. In Zeitungsanzeigen wird Björn Engholm als "der neue Ministerpräsident" vorgestellt, in einem Anflug von taktischer Teufelei hat die SPD auch schon diejenigen CDU-Staatssekretäre benannt, die nach dem 13. September im Amt bleiben sollen, weil sie sich als fähig erwiesen hätten. Seit sechs Wochen reist Björn Engholm im Land umher und fängt Stimmen.