Immer mehr Reiseunternehmen werben mit billigen Direktflügen ab Hamburg am die sonnenhungrigen Norddeutschen.

Nahezu über Nacht hat sich die Charter-Wüste Fuhlsbüttel in ein Paradies verwandelt. Bisher konnten die Norddeutschen ihren grauen Wintern im halbwegs günstigen Direktflug fast nur mit den beiden Platzhirschen TUI und Hapag Lloyd entfliehen.

Jetzt mischen plötzlich gleich drei neue – obendrein noch auswärtige – Firmen mit im hanseatischen Flugpauschalen-Geschäft: Die LTU-Betriebe Tjaereborg, Jahn-Reisen und Transair werben neuerdings ebenfalls um norddeutsche Kundschaft für den Reisewinter 1987/88 – mit Preisen, die durchschnittlich zwischen drei und fünf Prozent unter denen des Vorjahres liegen. Als erster im LTU-Bund hat der Düsseldorfer Billig-Veranstalter Tjaereborg mit preiswerten Reisen nach Marokko und auf fünf spanische Inseln in der Hansestadt von sich reden gemacht. (Die ZEIT berichtete in ihrer Ausgabe Nr. 30/87) Gereizt reagierte der Branchen-Riese TUI auf die Herausforderung des agilen Goliaths vom Rhein. Er schickte – selbstverständlich begleitet von großem Werbe-Getöse – seine Billig-Tochter Transeuropa mit der Aktion „Mini-Mark“ in die Preisschlacht an der Waterkant. Die neuen Destinationen sind identisch mit denen von Tjaereborg.

Unter Transeuropas ohnehin knapp kalkulierten Offerten (sie sind verbraucherfreundlich in einem eigenen Prospekt aufgelistet) finden die Hanseaten exklusiv für sich auch eine Reihe noch billigerer „Spar-Reisen“ als Bonbons reserviert – eine Woche Mallorca ist danach beispielsweise schon von da-Mark an zu haben. Als eine echte „Offensive“ betrachtet denn auch TUI-Vertriebschef Günter Kaul die Hamburger Aktion.

Die scheint auch nötig, denn Konkurrent LTU hat keineswegs nur Tjaereborg in den Norden entsandt. Von der Isar kam Jahn-Reisen als LTU-„Lokomotive“ nach Hamburg, das Münchner Unternehmen bietet ab Fuhlsbüttel Winter-Trips zu den Kanarischen Inseln, nach Mallorca und (über Teneriffa) nach Gomera an.

Für Jahn-Reisen bedeutet das Engagement bereits den zweiten Lande-Versuch auf dem bisher nicht eben quirligen norddeutschen Markt. Allerdings war der erste im Jahr 1983 ein Flop. Zum neuen Einstand hat sich der Veranstalter denn auch besser für den Vertrieb gerüstet, ein eigenes Büro in Hamburg etabliert.

Eine Service-Zentrale in der Hansestadt gönnt sich jetzt auch der Düsseldorfer Flugveranstalter Transair. Er gesellte sich als letzter Neuling und LTU-Trabant zur Poker-Runde, seine LTU-Maschinen peilen von Fuhlsbüttel aus ebenfalls kanarische und balearische Eilande an.