Von Sigrid Löffler

Keine zwei Jahre ist es her, da hatte Hans Dichand, die österreichische Variante zum Typus „Zeitungszar“, die ewigen Medienkriege schon so gut wie satt. Er war 64 Jahre alt, Hälfte-Eigentümer der Neuen Kronen-Zeitung, der größten Tageszeitung des Landes, Besitzer der Wiener Kunst-Galerie Würthle, ferner eines palastartigen Anwesens am Rande des Wienerwalds, eines Hauses am Attersee, eines Drittwohnsitzes in Paris – mithin ein Schilling-Milliardär. Ach nein, pflegte der Wiener Presse-Lord damals in Interviews resignierend abzuwinken, er glaube eigentlich nicht mehr, daß sich auf dem österreichischen Zeitungsmarkt noch etwas Großes ereignen könnte.

Aber seit vergangenem Mai ist Hans Dichand emsig bestrebt, sich selber Lügen zu strafen. Er werkelt am größten Medien-Coup der Zweiten Republik, der vor allem die Zukunft seines Lebenswerks absichern soll, aber auch dazu führen muß, daß Dichands schärfster Konkurrent auf den Plan gerufen und das Medien-Terrain im Lande neu abgesteckt wird.

Auf den ersten Blick handelt es sich nur um einen normalen Geschäftsvorgang von allerdings ungewöhnlicher Größenordnung. Hans Dichand beabsichtigt, seinen langjährigen Kompagnon Kurt Falk, den Eigentümer der anderen Hälfte der Kronen-Zeitung, auszuzahlen, um endlich Alleinbesitzer der Krone zu sein. Der Kaufpreis beträgt 2,2 Milliarden Schilling (umgerechnet mehr als 314 Millionen Mark). Stichtag ist der 30. November 1987. Sollte es Dichand bis dahin nicht gelingen, die Kaufsumme aufzutreiben, so ist Revanche vereinbart: dann hat umgekehrt Kurt Falk die Chance, den verhaßten Partner aufzukaufen.

Nicht nur die Medien-Branche beobachtet das Duell mit Spannung. Schließlich geht’s um den Besitz der marktbeherrschenden und lukrativsten Zeitung des Landes. Die Krone, ein ebenso kleinformatiges wie kleinkariertes Massenblatt, ist ein Auflagenriese (mit einer Gesamtreichweite von 2,5 Millionen Lesern oder 40,7 Prozent), macht einen Jahresumsatz von 2,6 Milliarden Schilling und wirft laut Dichand einen Jahresgewinn „zwischen 100 und 240 Millionen Schilling“ ab.