ZEIT: Ein paar Jahre lang hat es so ausgesehen, als könne das neue Management die Bundesbahn sanieren. Doch die jüngste Bilanz weist wieder ein auf 3,3 Milliarden Mark gestiegenes Defizit aus. Ist die Bahn doch nicht zu retten?

Klein: Wir haben immer gesagt, wir können die Bahn nicht sanieren, wir können sie nur konsolidieren. Zur Sanierung wären wesentliche zusätzliche Entscheidungen des Eigentümers nötig. Das Defizit aber ist nun kein Indiz dafür, daß der Weg in eine sichere Zukunft der Bahn versperrt ist. Dieser Weg führt ja nicht immer linear und geradeaus.

ZEIT: Aber eigentlich müßte es doch gerade aufwärts gehen. Die Konjunktur läuft gut. Dennoch hat die Bahn 1986 ausgerechnet im Güterverkehr die stattliche Summe von 410 Millionen Mark weniger eingenommen.

Klein: Die Konjunktur ist gut, aber sie lebt im wesentlichen vom Export und von den Konsumgütern. Leider hängt die Bahn im Güterverkehr aber zu sechzig Prozent vom Montanbereich ab, und dort, in der Stahlindustrie vor allem, herrscht die Krise. Fünfzehn Millionen Tonnen wurden hier weniger transportiert. Das können wir überhaupt nicht beeinflussen. Wir können daraus aber Lehren ziehen. Wir müssen die Bahn noch stärker und noch schneller auf das konzentrieren, was sie besonders gut kann: große Gewichte mit hohen Geschwindigkeiten über lange Entfernungen transportieren.

ZEIT: Auch im Personenverkehr haben Sie ein vermutlich vernünftiges Konzept. Besserer Service, die attraktiven Intercity-Züge, neue Tarife. Leider haben sich aber auch da Ihre ökonomischen Hoffnungen nicht erfüllt.

Klein: Wir liegen mehr oder weniger im Plan, der Intercity zum Beispiel hat guten Zuwachs. Aber auch hier sind die äußeren Bedingungen nicht eben auf unserer Seite. Die Bevölkerung der Bundesrepublik nimmt ab. Die Zulassungen von neuen Autos sind in den vergangenen beiden Jahren um 25 Prozent gestiegen. Benzin ist billiger als in den siebziger Jahren. Die verfügbaren Einkommen steigen – das sind alles Faktoren, die kalkulatorisch nicht für eine zunehmende Nutzung der Bahn sprechen. Auch hier müssen wir deshalb die Bahn als Alternative zum Auto und zum Flugzeug stärker profilieren.

ZEIT: Um den Preis gigantischer Investitionen. Sie geben dieses Jahr sechs Milliarden Mark aus, vor allem für den Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken. Kommen Ihnen manchmal Zweifel am Sinn dieser Investitionen?