„So ist das Leben“ von Blake Edwards

Mit sechzig Jahren weiß er, ein Frank Lloyd Wright der achtziger Jahre kann er nicht mehr werden. Ein erfolgreicher Architekt ist er zwar, aber auch er hatte einst, Träume, wollte eigenwillige Bauwerke schaffen und sich nicht von seinen Auftraggebern gängeln lassen. Harvey Fairchild ist am Vorabend seines Geburtstages völlig fertig. Sein Herz, sein Rücken, sein Kopf, wohin er auch fühlt: Schmerzen. Lautstark und wortgewaltig tönt es aus seinem Munde, wie schlecht er sich fühlt, wie sich alles und alle gegen ihn verschworen haben. .. Und die Diagnose des Arztes? Kerngesund. Ein Hypochonder also ist dieser Harvey; sein einziges Problem besteht darin, alt zu werden. Schrill hat Blake Edwards diese Figur angelegt und in Jack Lemmon einen Darsteller gefunden, der es immer gerade noch schafft, nicht in den Klamauk abzurutschen. Schrill geht es auch zu, wenn Harveys Kinder zur Geburtstagsfeier eintreffen: eine Hollywood-Familie par excellence. Einzig Julie Andrews als Gillian Fairchild ist weniger präsent durch Worte und Lautstärke als durch Mimik und Gestik. Ihre Angst vor einem Tumor im Hals bestimmt den Film von der ersten Einstellung an und läßt das Verhalten ihres Mannes, dem sie nichts sagt, um so hysterischer erscheinen. Zwischen leisem Sentiment und dröhnender Komik balanciert dieser Film: Alltagsdramen made in Southern California. Anne Frederiksen

„Das Schlafzimmerfenster“ von Curtis Hanson

Die Schaulust ist ein Laster, die Blindheit eine Todsünde. Terry Lambert hat nichts gesehen und viel geredet – und so sich selber eine tödliche Falle gestellt: Terry lag mit der Frau seines Chefs im Bett, als von der Straße her Schreie ins Schlafzimmer hallten. Die Frau trat ans Fenster und sah, wie ein junger Mann über ein Mädchen herfiel. Der Triebtäter oh, die Frau aber hatte ihn deutlich gesehen.

Weil er die Geliebte decken will, leiht sich Ferry ihre Blicke, tritt als Augenzeuge vor die Polizei. Er versucht, den Täter zu beschreiben, und verstrickt sich dabei immer heftiger in Lügen, Ausflüchte, Widersprüche. Am Schluß steht Terry Lambert als Hauptverdächtiger auf der Fahndungsliste.

Curtis Hanson leiht sich Blicke bei Hitchcock und Motive bei Fritz Lang. Aber er verstrickt sich nicht. Sein Thriller ist so fest geschmiedet und so klar geformt wie eine stählerne Waffe. Der Stoß zielt mitten ins Auge: Wer schaut, macht sich schuldig, wer wegschaut, auch. Wir blicken durch „Das Schlafzimmerfenster“ und entdecken im Thriller die Tragödie. Suspense ist ein amerikanisches Wort für Schicksal. Claudius Seidl

Sehenswerte Filme

„Thérèse“ von Alain Cavalier. „Masken“ von Claude Chabrol. „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard. „Uhrwerk Orange“ von Stanley Kubrik. „Das grüne Leuchten“ von Eric Rohmer. „Ossessione“ von Luchino Visconti.