Mit aggressiven Strategien kaufen britische Unternehmen immer größere Teile der US-Wirtschaft auf

Von Wilfried Kratz

Britische Unternehmen stecken die Revolverfirma Smith & Wesson ins Halfter und eignen sich den Schloß- und Schlüsselhersteller Yale Securities an. Sie erwerben Standard Oil und die Werbeagentur J. Walter Thompson. Sie kaufen Chemiebetriebe und Supermärkte, Banken und PR-Firmen. Die Briten haben zu einem Sturm auf die Neue Welt angesetzt. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine neue Übernahme aus den USA bekannt wird.

Die aggressiven Engländer nutzen ihre gute Kassenlage, den ergiebigen Londoner Kapitalmarkt und den günstigen Dollarkurs zu einem Angriff auf jenen Auslandsmarkt, der ihnen am vertrautesten ist. Es ist, als wollten sie die Kolonien zurückkaufen, die ihnen vor mehr als 200 Jahren verlorengegangen sind.

Für den Chemieriesen ICI war der 24. Juni ein historischer Tag. Zum erstenmal in seiner Geschichte tagte der Vorstand außerhalb Großbritanniens – in New York. ICI hat sich für 1990 ein Umsatzziel von mindestens fünf Milliarden Dollar in den USA gesteckt, das hauptsächlich durch den Kauf von Unternehmen erreicht werden soll. ICI ist auf dem besten Wege dahin. In den vergangenen drei Jahren hat der Konzern mehr als drei Milliarden Dollar für Übernahmen bezahlt, darunter Großfusionen wie Beatrice (Spezialchemikalien), Glidden (Lacke) und Stauffer (Agrochemie). In London beschäftigt ICI eine Mannschaft von Übernahmespezialisten, die ständig auf der Suche nach brauchbaren Neuerwerbungen sind, Informationen sichten und auf dem neuesten Stand halten und in der Lage sind, schnell zuzugreifen, – wenn ein geeigneter Kandidat gefunden ist.

Auch der Mischkonzern Hanson Trust hat das Übernahmespiel und das Jonglieren mit Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantik zu einer hohen Kunst entwickelt. Union Jack und Stars and Stripes, zu einer Krawatte verschlungen, sind das programmatische Firmenzeichen. Einer Übernahme in Großbritannien folgt gewöhnlich eine in den USA, um sicherzustellen, daß beide Länder jeweils etwa die Hälfte zum Gesamtgewinn beisteuern. Jetzt ist wieder Amerika an der Reihe, wo Hanson 1,7 Milliarden Dollar für das Konglomerat Kidde ausgeben will.

Alle wollen über den Teich