Die Lage im Persischen Golf wird immer verwirrender. Nun suchen auch Iraner nach Minen.

Der Aufmarsch von Kriegsschiffen in der Golf-Region geht weiter. Nachdem die Amerikaner ihre dortige Flotte durch den Hubschrauber-Träger „Guadalcanal“ verstärken, haben sich auch Großbritannien und Frankreich zu einem größeren militärischen Engagement entschlossen. Die Briten entsenden vier Minensucher und ein Versorgungsschiff zur Unterstützung ihrer Amilla-Patrouille; Frankreich stockt seine Flotte im Indischen Ozean mit zwei Minensuchern auf.

Die Iraner, die in dringendem Verdacht stehen, die internationalen Öl-Routen mit Sprengkörpern verseucht zu haben, schalten sich nun ebenfalls in die Minensuche ein. Teheran meldete am Dienstag dieser Woche, die iranische Marine habe mehrere Minen im Golf von Oman gesprengt. Das soll unweit der Stelle geschehen sein, an der vor wenigen Tagen das Versorgungsschiff „Anita“ auf eine Mine gelaufen und gesunken war. Dabei war ein Besatzungsmitglied getötet worden; fünf Seeleute werden noch vermißt.

Zu einem weiteren Zwischenfall kam es am Dienstag dieser Woche. Der liberianische Tanker „Osco Sierra“ wurde im Golf von Oman von zwei Schnellbooten mit Raketen beschossen. Eine der Raketen traf die Aufbauten des Schiffes. Die Herkunft der Schnellboote blieb vorerst unbekannt.

Die Vereinigten Staaten haben unterdessen ihre Haltung in der Golf-Krise verschärft. US-Verteidigungsminister Weinberger stellte klar, sein Land werde sich durch iranische Drohungen nicht aus dem Golf vertreiben lassen. Amerika werde mit seiner Flotte weiterhin den Geleitschutz für Tanker im Golf wahrnehmen.

Weinberger erinnerte auch an die Anordnung Präsident Reagans, nach der die amerikanischen Schiffe auf mögliche Angreifer schießen werden. Zu einem ersten Zwischenfall war es gekommen, als am Samstag vergangener Woche ein amerikanischer Jet ein iranisches Flugzeug beschoß. Die eingesetzten Raketen verfehlten jedoch ihr Ziel.

Auf ein unterschiedliches Echo stieß inzwischen der Vorschlag des amerikanischen Verteidigungsministeriums, eine „internationale Minenräum-Flotte“ für den Persischen Golf aufzustellen. Die Bundesregierung ließ sich von dieser Anregung nicht beeindrucken. In Bonn hieß es, wegen der verfassungsrechtlichen Beschränkungen käme eine Entsendung von Marine-Einheiten in den Golf nicht in Frage.

Deutlich reagierte indes das britische Versicherungsunternehmen Lloyd’s auf die Verschärfung der Situation. Es erhebt für Schiffe im Golf von Oman einen Krisenrisiko-Aufschlag. D. B.