Französische Staatschefs, die etwas auf sich halten, lassen bauen. Möglichst groß, teuer und stets zum eigenen Ruhm. Versailles hat Ludwig XIV. unsterblich gemacht. Mit dem Arc de Triomphe hat sich Napoleon ein Denkmal geschaffen, und der nach ihm benannte Kulturtempel hält die Erinnerungen an Georges Pompidou wach.

Um im architektonischen Prestigekampf mitzuhalten, kam der amtierende sozialistische Präsident François Mitterrand 1983 auf die Idee, den leicht baufälligen Louvre zu modernisieren und zum „Grand Louvre“, zum größten Museum der Welt umgestalten zu lassen. Rechtzeitig vor Ablauf seiner Amtszeit im Frühjahr 1988 sollte die Einweihung sein.

Doch daraus wird wohl nichts. Ganz gezielt hat Finanzminister Edouard Balladur den Zeitplan völlig durcheinander und den Architekten Ieoh Mine Pei zur Verzweiflung gebracht: „Wenn ich das alles gewußt hätte, hätte ich die Arbeit nie übernommen“, beklagt sich der chinesisch-stämmige Amerikaner entnervt.

Um die Arbeiten planmäßig vorankommen zu lassen, müßten Balladur und seine Mitarbeiter nämlich erst einmal den zweiten Flügel des Louvre räumen. Bislang teilen sich Museum und Finanzministerium das Gebäude. Doch der Konservative denkt nicht daran, Platz für das Lieblingsprojekt des Präsidenten zu machen. Er mag nicht auf das stilvolle Ambiente des ehemaligen Königsschlosses verzichten. Ein von der alten Regierung eigens als Ausweichquartier neu gebautes Finanzministerium im Pariser Stadtteil Bercy steht deshalb seit Monaten leer. Die modernen, funktionellen Räume sind nicht so recht nach Balladurs Geschmack.

Offiziell begründet der Minister seine Louvre-Besetzung natürlich ganz anders. Er müsse, verteidigt sich der Minister, ständig in unmittelbarer Nähe des Premiers sein. Das neue Ministerium aber liege weit weg vom Matignon, dem Amtssitz des Regierungschefs. Jede Fahrt von dort zu seinem Chef würde ihn fünfzehn Minuten seiner wertvollen Arbeitszeit kosten.

Kommendes Unheil ahnend, hatte Mitterrand vor den Wahlen im März 1986 zwar sein Bestes getan, um einem möglichen konservativen Finanzminister die Freude am Louvre als Amtssitz gründlich zu verderben. Obwohl das neue Ministerium noch nicht bezugsfertig war, mußten auf höchsten Befehl die engsten Mitarbeiter des noch amtierenden sozialistischen Ministers kurz vor der Wahl hastig ihre Büros räumen, um Bauarbeitern Platz zu machen. Die leisteten ganze Arbeit: In den ehemaligen Dienstzimmern wurden konsequent sämtliche Telephonleitungen rausgerupft, die Heizung abmontiert, Elektrokabel abgeknipst und die Kronleuchter abgehängt.

Doch all das konnte Balladur nicht abschrecken. Kaum inthronisiert, ließ er ungerührt wieder Telephonleitungen legen, Heizungen installieren, Elektrokabel verlegen, Kronleuchter aufhängen und die Büros aufs prächtigste herrichten. Kostenpunkt der Aktion: 1,2 Millionen Mark.