Gerhard Stoltenberg bekommt es zur Zeit knüppeldick. Daß ihm die SPD Wählerbetrug, Haushaltschaos und ähnliche Unfreundlichkeiten vorhält, braucht der geplagte Finanzminister nicht überzubewerten; das gehört zum politischen Grabenkampf. Jetzt kommen aber kritische Töne auch aus einer ganz anderen Ecke: Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München rechnet vor, daß die Steuereinnahmen in den kommenden fünf Jahren um 114 Milliarden Mark geringer ausfallen werden als amtlich geschätzt.

Ifo ist eine gute Adresse. Wenn dessen Fachleute die mittelfristige Steuerschätzung rundheraus als „Makulatur“ verwerfen, dann kann das nur als Kritik an Stoltenbergs Vorstellungen von der Finanzierbarkeit der Steuerreform gelten. Und die Vermutung der Münchner, vor allem Mineralöl- und Tabaksteuer würden als Lückenfüller erhöht, ist ebenfalls von einem deutlichen Ton der Mißbilligung begleitet.

Das offene Problem ist bekannt: Wer Steuern erhöht, muß weniger Subventionen kürzen. Ursprünglich wollte die FDP mehr als zwanzig Milliarden Mark streichen. Inzwischen ist sie bereits auf fünfzehn Milliarden heruntergegangen. Stoltenberg hat sich von vornherein nur auf einen zweistelligen Milliardenbetrag festgelegt. Den meisten seiner Parteifreunde wäre es am liebsten, der Geldsegen käme unvermindert über ihre Klientel in Stadt und Land. Und die Oppositionsparteien werden sich hüten, nur die geringste unpopuläre Streichaktion mitzutragen. Die große Prüfung für den Steuerreformer Stoltenberg steht also noch aus. Geht er erfolglos daraus hervor, droht das ganze Reformwerk Makulatur zu werden, smi