Noch hat der Streik im mexikanischen Volkswagen-Werk, der am 1. Juli begann, in den übrigen Fabriken des größten deutschen Automobilherstellers keine Produktionsausfälle erzwungen. Doch wenn der Ausstand der mehr als zehntausend Arbeiter in Puebla nicht in Kürze beigelegt wird, müssen die Bänder auch in deutschen VW-Fabriken zeitweise angehalten werden. Der Grund: Volkswagen de Mexico ist ein wichtiges Glied im weltweiten Produktionsverbund des Wolfsburger Konzerns und liefert im Normalfall beispielsweise halbfertige Motoren und andere Teile für die Fertigung der Modelle Golf, Jetta, Passat und Audi 80 in Wolfsburg, Emden und Ingolstadt.

Auch Fehler des VW-Managements in Mexiko haben offenbar die äußerst brisante Situation für den Konzern verursacht: Zu Beginn der ausstehenden Tarifrunde forderte die Werksführung fünfzehnprozentige Lohnkürzungen und einen Personalabbau von 700 Mitarbeitern – und das bei einer Inflationsrate in Mexiko von jährlich mehr als 120 Prozent. Die mexikanische Gewerkschaft hatte anfänglich nahezu hundert Prozent Lohnaufschlag verlangt. Seit Beginn der Woche zeigen allerdings beide Seiten Kompromißbereitschaft: Die Werksleitung offerierte ein Lohnplus von dreißig Prozent, die Gewerkschaft reduzierte ihre Forderung auf nur noch siebzig Prozent.

Die Betriebsräte der deutschen VW-Werke machten dazu eine martialische Begleitmusik. Sie wollen in keinem Fall Mehrarbeit genehmigen, die den Ausfall mexikanischer Zulieferungen kompensieren könnte.

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Seit längerem gehört den erfolgreichen jungen deutschen Tenniscracks die Zuneigung des heimischen Big Business. Weil er das Null-Bock-Prinzip so vorbildlich Lügen straft, hat die Deutsche Bank etwa den Leistungsträger Boris Becker unter PR-Vertrag. Und auch für eine bescheidene Werbung des Chemiekonzerns BASF ist auf dem Trikot des Leimeners Platz. Seit dem vergangenen Wochenende aber sind deutsche Manager dem nationalen Tennis besonders verbunden: Ihre harten Aufschläge brachten Steffi Graf beim Turnier im kalifornischen Manhattan Beach nicht nur an die Spitze der Weltrangliste – sie fetzten auch eine Sendung aus dem Fernsehprogramm, die dem Frankfurter Pharma-Multi Hoechst äußerst unangenehm gewesen wäre. Zugunsten der Tennisübertragung setzte die ARD zu später sonntäglicher Stunde die Wiederholung des WDR-Beitrags „Gesucht wird ... eine Nebenwirkung“ ab. Hoechst wird darin vorgeworfen, schädliche Wirkungen seiner längst vom Markt genommenen Arzneimittel Alival und Psyton zu lange verschwiegen und so den Tod etlicher Patienten mitverursacht zu haben.

Die Erstsendung des Beitrags im vergangenen November hatte zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen Hoechst und dem Westdeutschen Rundfunk geführt. Doch die meisten Vorwürfe der WDR-Autoren hatte das Landgericht Frankfurt als zulässige Meinungsäußerungen gelten lassen. Nur zwei Passagen des ursprünglichen Films mußten für die Wiederholung gestrichen werden. Mehr als ein Punktgewinn für Hoechst war die Programmänderung am Sonntag indes nicht. Der WDR will das Match am 13. September zu seinen Gunsten entscheiden. Dann wird die Anti-Hoechst-Sendung endgültig wiederholt.

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