Die chemische Industrie verzichtet freiwillig auf Treibgas in Sprühdosen. Ein leichter Erfolg für den Umweltminister.

Klaus Töpfer wird zufrieden sein. Am Freitag vergangener Woche war der Bonner Umweltminister genau einhundert Tage im Amt, und dann wird gewöhnlich ein erstes Resümee über die Arbeit von Politikern gezogen. Routiniert und eloquent wie ein Politprofi übernahm der Benjamin im Bonner Kabinett dabei die Initiative. Just am ersten Tag nach seiner Bewährungsfrist konnte Töpfer nämlich eine bemerkenswerte Tat verkünden: Die chemische Industrie der Bundesrepublik hat sich freiwillig vertraglich verpflichtet, die umweltgefährlichen Treibgase, sogenannte Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW), von 1990 an nur noch ausnahmsweise in Spraydosen zu füllen. Der Minister wird das als erstes richtiges Erfolgserlebnis in Bonn genießen.

Daß er darauf ziemlich lange warten mußte, damit hat Töpfer wohl selbst nicht gerechnet. Denn als er im Mai von Mainz in die Bundeshauptstadt wechselte, da galt er als erste Wahl. Im rheinlandpfälzischen Landeskabinett hatte er als Umweltminister eine gute Figur gemacht, und selbst hartnäckige Kritiker mußten ihm zugestehen, daß er im Gegensatz zu seinem Vorgänger über die nötige Sachkompetenz verfüge. Klaus Töpfer war sozusagen der konservative Umweltstar.

Dieser Ruf hat ihm in Bonn wenig geholfen. Denn er war nach Walter Wallmann schon der zweite Umweltminister, den der Kanzler aus der Provinz geholt und den Umweltpolitikern der Unionsfraktion vor die Nase gesetzt hatte. In seinem zusammengewürfelten Ministerium mußte Töpfer manche unvorhersehbare Kabale erleben.

Obendrein gaben zumindest seine engsten Mitarbeiter gelegentlich zu verstehen, daß der Vorgänger ihnen wenig hinterlassen habe – außer Problemen, und da nicht zuletzt Waggonladungen verstrahlter Molke. So war der neue Mann zwar beliebt als Minister zum Anfassen oder als Kumpel für Skat und Bier, doch auf dem politischen Parkett, das hatte er schon bald erkannt, blieb sein Erscheinungsbild in Bonn „seltsam ungriffig“.

Bei seiner Jagd nach Punkten gab ihm diesmal die Chemieindustrie eine Maßvorlage. Die Manager hatten zwar schon im Mai angekündigt, daß sie auf das umweltschädigende Treibgas in Spraydosen freiwillig verzichten wollen, das in den Vereinigten Staaten schon seit zehn Jahren und auch in den skandinavischen Ländern verboten ist. Doch jetzt kam termingerecht die schriftliche Bestätigung. Das ist zunächst einmal positiv. Denn die Gefährlichkeit der Treibgase ist unter Wissenschaftlern kaum noch umstritten: Sie zerstören die schützende, dünne Ozonschicht um den Erdball und fördern den sogenannten Treibhauseffekt, der das Klima auf der Erde zu verändern droht. Und wer die elenden Prozeduren um Übereinkünfte in der europäischen Gemeinschaft verfolgt hat, wird gewiß auch etwas für Töpfers Variante freiwilliger Vereinbarungen übrig haben.

Doch für Beifall ist es wohl etwas zu früh. Denn selbst wenn das Gas aus den Sprühdosen verschwände, wäre das erst die Hälfte des bisherigen Verbrauchs. Zum Schäumen von Kunststoffen und für Kühlflüssigkeiten wird es noch immer gebraucht. Und Importe in die Bundesrepublik, selbst von Töchtern deutscher Unternehmen, sind noch immer möglich. Jeder Käufer kann auch in Zukunft die Dosen mit dem Gas aus dem Regal im Kaufhaus greifen, und wer den mickrigen Erfolg finanzieller Anreize zum Kauf von Katalysatorautos kennt, wird kaum glauben, daß Töpfer um ein Verbot der Dosen herumkommt.