Zwei Wochen nach der Unterzeichnung des mittelamerikanischen Friedensplanes zeichnen sich die ersten Schwierigkeiten ab.

Das Abkommen von Guatemala setzt den fünf beteiligten Staaten knappe Fristen, mit ihren innenpolitischen Gegnern zu verhandeln oder mit der Guerilla einen Waffenstillstand festzulegen. In ersten Reaktionen haben sowohl die Contra wie die Aufständischen in El Salvador den Plan verworfen.

In El Salvador geht es um die bekannten Positionen. Die Regierung offeriert der Guerilla Waffenstillstand, Amnestie und Beteiligung an Wahlen; die Guerilla will die Waffen nur niederlegen, wenn sie sofort an der Regierung beteiligt wird. Beide Seiten haben zwar Maximalforderungen erhoben, aber die Möglichkeit nicht verbaut, über die im Abkommen vorgesehenen Versöhnungskommissionen Kontakt zu halten.

Kritischer ist die Lage in Nicaragua. Die Contra erhält bis zum 30. September Unterstützung aus den Vereinigten Staaten; doch erst am 7. November läuft die in Guatemala beschlossene Frist für die Einleitung von Reformen ab. Washingtons Haltung ist noch nicht eindeutig. Zwar wird der Friedensplan befürwortet, aber rechte Republikaner verlangen, die Contra nicht preiszugeben.

Die Sandinisten haben dagegen klargemacht, daß sie den Ausnahmezustand erst aufheben und der Opposition bürgerliche Freiheiten erst einräumen werden, wenn die Contra-Angriffe aufhören. Managua hat zu Wochenbeginn demonstriert, daß es von diesem Fahrplan nicht abrücken wird: Demonstrationen der Opposition wurden mit harter Hand unterdrückt.

Was sich wie Stärke ausnimmt, kann auch ein Zeichen von Schwäche sein: Der nicaraguanische Präsident Ortega hat unmittelbar nach dem Gipfeltreffen Fidel Castro auf Kuba besucht, um sich den Segen des Maximo lider für seine Unterschrift zu holen. Castro stellte sich rückhaltlos auf Ortegas Seite – Moskaus Zustimmung kam knapp eine Woche später – und hat damit Ortegas Kritikern in den eigenen Reihen Wind aus den Segeln genommen – zumindest für den Augenblick. Denn das Verhalten der Sandinisten wird – neben der Politik Washingtons – über Erfolg oder Mißerfolg der mittelamerikanischen Friedensinitiative entscheiden.

Differenzen über den Friedensplan gibt es auch in den Vereinigten Staaten. Der Sonderbeauftragte für Mittelamerika, Philip Habib, ist überraschend zurückgetreten. Offenbar hatte er mit Rückendeckung von Außenminister Shultz versucht, sich sofort aktiv in die Konsultationen einzuschalten, und zwar noch vor dem für diesen Mittwoch angesetzten Treffen der mittelamerikanischen Außenminister in El Salvador. Der Präsident intervenierte, und Habib demissionierte. Aus seiner Umgebung verlautete, damit habe Washington die letzte Chance vergeben, noch aktiv am Friedensprozeß teilzunehmen.

-bi