Liberale Wirtschaftsreformen und Anti-Atompolitik: Mit diesen beiden Themen gewann die Labour Party von Premierminister David Lange die Parlamentswahlen in Neuseeland.

David Lange hatte Grund zum Jubel: Zum ersten Mal seit 41 Jahren gelang einem Premierminister der Labour Party die Wiederwahl nach dreijähriger Amtszeit. Labour ist im Parlament künftig mit 56 Abgeordneten vertreten; auf die oppositionelle National-Partei entfallen 41 Sitze.

Der 45 Jahre alte schwergewichtige und wortgewaltige Rechtsanwalt Lange hatte im Wahlkampf die Fortsetzung jener „stillen Revolution“ angekündigt, die Neuseeland aus der wirtschaftlichen Stagnation geführt, der Bevölkerung aber auch schmerzhafte Opfer abverlangt hat. Labours mutige Reformpolitik, konzipiert von Finanzminister Douglas, hätte man den Konservativen eher zugetraut als der traditionellen Arbeiterpartei: Liberalisierung der Finanzmärkte; Senkung der Einkommensteuer um durchschnittlich zwanzig Prozent, dafür Einführung einer zehnprozentigen „Konsumsteuer“; Reduzierung von Importzöllen; Abschaffung der Subventionen für die Landwirtschaft; Teilprivatisierung von Staatsunternehmen.

In den letzten Jahren stieg die Arbeitslosenquote auf 6,3 Prozent, erreichte die Inflationsrate mit 18,9 Prozent ihren höchsten Stand seit 1914. Neuseeland droht in zwei Gesellschaften zu zerfallen: Die Städte profitieren vom Wirtschaftsboom, das flache Land bleibt zurück. Doch die meisten Neuseeländer akzeptieren den Anpassungsprozeß.

Die Mehrheit der Wähler unterstützte auch die strikte Anti-Atompolitik des Premiers, die zum Zerwürfnis mit Washington und zum Bruch des Anzus-Paktes mit Amerika und Australien führte. Auch in Zukunft dürfen keine atomgetriebenen und mit Kernwaffen bestückten Kriegsschiffe neuseeländische Häfen anlaufen. Lange, der sich für einen atomwaffenfreien Südpazifik einsetzt, läßt sich von der Kritik Washingtons an seinem Kurs nicht beirren. Demonstrativ erweiterte er sein Kabinett jetzt um einen Abrüstungsminister. M. N.