Die Dame schweigt, der Komplize ist flüchtig, und das Opfer ist eine prominente Person des öffentlichen Lebens. Für die Boulevardpresse war das der Stoff, aus dem Titelgeschichten gezimmert werden: „Schöne Sekretärin spitzelt Bankgeheimnisse aus“, lauteten denn auch die Schlagzeilen, und so hatten die honorige Deutsche Bundesbank und deren Präsident Karl-Otto Pöhl ihren ersten Skandal, der wenigstens zur Hälfte in die Nähe von sex and crime gerückt werden konnte.

Was war passiert: Anneliese Klomfass, eine der beiden Sekretärinnen des obersten deutschen Währungshüters, steht nach Ansicht der Braunschweiger Staatsanwaltschaft im Verdacht, Informationen gegen Geld weitergegeben zu haben. Darauf sind die Staatsanwälte gestoßen, als sie die dunklen Geschäfte des Devisenmaklers Joachim Schmidt untersuchten, der im Devisenskandal um das Volkswagenwerk als Haupttäter gesucht wird.

Diesem Mann hätte die Sekretärin gewiß wertvolle Informationen zustecken können. Sie wußte, was in den Sitzungen der Führungsgremien der Bundesbank beschlossen wurde; sie wußte eher als die Öffentlichkeit, wann die Notenbank ihre Leitzinsen zu verändern oder an den Devisenmärkten zu intervenieren gedachte. Für einen Devisenmakler sind solche Informationen bares Geld wert. Die Spekulation gegen Dollar, Yen oder Pfund wird dadurch zur Einbahnstraße, zu einem Geschäft, bei dem Verluste ausgeschlossen sind.

Wenn’s denn so war, ist es eine peinliche Geschichte für den Bundesbankpräsidenten, mehr aber auch nicht. Trost mag er bei Karl Marx finden: Der Trieb der Schatzbildung ist von Natur maßlos. bm