Wer kann den Russen verdenken, daß sie die Bonner Verrenkungen um die doppelte Nullösung bis zur Neige auskosten wollen? Im Juni hatte die Bundesregierung nach langem Palavern den Koalititonsfrieaen erst mit der Erklärung kitten können, die westdeutschen Pershing-la-Raketen mit ihren amerikanischen Atomköpfen müßten beim Raketen-Deal ausgespart bleiben. Nun tut Moskau so, als verhindere nur deutsche Dickköpfigkeit den Durchbruch.

Aber wer weiß denn das? Noch ist der Sack nicht zugebunden. Die entscheidende Phase beginnt erst, wenn sich die Außenminister der beiden Weltmächte auf ihrem Treffen im September an die letzten Barrieren heranmachen. Dann wird sich zeigen, ob die Bonner Pershingitis dazugehört – und ob vielleicht westliches Nachgeben in diesem Punkt wünschenswerte östliche Gegenleistungen bewirken kann.

Der faule Kompromiß vom Juni ersetzte Strategie durch Taktik. Die Forderung jedoch, ihn jetzt, rechtzeitig zu den nächsten Landtagswahlen, zu stornieren, verkleidet innenpolitische Profilierungssucht als außenpolitische Verantwortung. Außenminister Genscher hat recht mit der Devise: Abwarten und Herunterschrauben. Am Ende wird Herunterschrauben wohl heißen: auf Null. An den deutschen Pershings wird die Nullösung nicht scheitern. Die Bonner Koalitionäre täten gut daran, sich innerlich darauf vorzubereiten. -cb-