The Replacements: „Pleased To Meet Me“

Ironische Titel trugen auch schon frühere Platten dieses Quartetts, das hier mit ungebrochenem Punk-Ethos jene Sorte von kompromißlos „schmutzigem“ Gitarren-Rock ’n’ Roll spielt, die das letzte „Dirty Work“ der Stones eben nicht war. Weit entfernt von aller Trash Metal-Einfalt, beschwören die Replacements mit fulminanten Drei-Minuten-Orgien alte Geister: den der Beatles von „Dizzy Miss Lizzie“ und „Helter Skelter“, der MC 5 von „Ramblin’ Rose“ und all der Sternstunden kontrollierter Kakophonie à la „19th Nervous Breakdown“, die vor ewigen Zeiten einmal Rockmusik zum Synonym für Rebellion machten. Völlig aus dem Rahmen fallen dabei das dezent jazzig getönte „Nightclub Jitters“ und die akustische Folk-Einlage „Skyway“ – so als wollte Replacements-Chef Paul Westerberg kurz mal einflechten, daß musikalischer Analphabetismus das Gegenteil dessen ist, was er im Sinn hat. Ein Album, das wenigstens für eine halbe Stunde vergessen läßt, was sonst alles an High-Tech-Belanglosigkeiten aus Klangcomputern den Markt überschwemmt. (Sire/WEA 925 557-1)

Franz Schöler