Der Streik der schwarzen Bergleute in Südafrika geht am Sonntag in die dritte Woche – beim letzten großen Arbeitskampf 1984 hatte die Gewerkschaft bereits nach zwei Tagen kapitulieren müssen.

Von insgesamt 550 000 schwarzen Kumpel streiken 340 000; nur wenige kehrten bislang zur Arbeit zurück. Die Streikbewegung scheint sich eher auszuweiten; in der riesigen Kohleverflüssigungsanlage Sasol wurde sie allerdings blutig niedergeschlagen. Die National Union of Mineworkers (NUM) kündigte eine Urabstimmung der Bergleute in einigen Diamanten- und Platinminen an.

Bei Zusammenstößen mit der Polizei und den Ordnungsdiensten wurden 300 Bergleute verletzt, ebensoviel verhaftet. Die Regierung bleibt nicht „neutral“, wie sie angekündigt hatte. In Kerksdorp, südwestlich von Johannesburg, wird die lokale NUM-Leitung sogar eines „Komplotts zur Vorbereitung von Morden“ bezichtigt. 80 festgenommene Gewerkschaftler werden vor Gericht gestellt.

Beide Seiten halten einander gewalttätige Einschüchterungsversuche vor. Zwei Streikbrecher wurden ermordet. Der hauptbetroffene Konzern Anglo American Corp. verhandelte mit der Gewerkschaft über Maßnahmen zur Gewaltverhinderung. Wenn es auch ergebnislos verlief, war es immerhin das erste Gespräch seit Streikbeginn.

Der Arbeitskampf kostet die Bergbaubranche täglich 10 bis 15 Millionen Mark. Die Konzerne hatten vorsorglich Lager angelegt, um ein paar Wochen lang die Lieferungen an die Kundschaft zu gewährleisten.

Den Goldausfuhren verdankt Südafrika 60 Prozent seiner Devisenerlöse; es ist der bei weitem größte Goldexporteur, hat aber an Bedeutung verloren. In den letzten fünf Jahren sank die Produktion von 685 auf 638 Tonnen, während die Vereinigten Staaten (108 Tonnen letztes Jahr), Kanada (107), Australien (75), Brasilien (67), die Philippinen (40) und Papua-Neuguinea (36) mächtig aufholten. Die Sowjetunion verkauft jährlich im Durchschnitt 150 Tonnen.

Dennoch wären die südafrikanischen Konzerne mit ihren Profiten in der Lage, die Forderungen der Streikenden zu erfüllen: