Staatsakt für einen "Staatsverräter". Hessen widmet seine "Landesausstellung" einem vor 150 Jahren steckbrieflich gesuchten Studenten der Medizin, der mit einem sozialkritischen Flugblatt für einen demokratischen Staat gekämpft hat

Zum 150. Todestag des im Alter von 23 Jahren gestorbenen Schriftstellers – Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt die bisher größte Ausstellung über Leben und Werk:

"Georg Büchner – Revolutionär, Dichter, Wissenschaftler".

Kann man Literatur inszenieren, ein Leben begehbar machen?

Von Rolf Michaelis

Der "Steckbrief" ist ausgestellt am 13. Juni 1835 und "signalisirt" den 21 Jahre alten Studenten der Medizin Georg Büchner, weil der sich "der gerichtlichen Untersuchung seiner indicirten Theilnahme an staatsverrätherischen Handlungen durch die Entfernung aus dem Vaterlande entzogen" habe. Unterzeichner des Polizei-Staats-Papiers, mit dem die Obrigkeit auf das von Büchner verfaßte Flugblatt von 1834, "Der Hessische Landbote", reagierte, ist der vom "Großherzoglich Hessischen Hofgericht der Provinz Oberhessen bestellte Untersuchungs-Richter, Hofgerichtsrath Georgi".