Von Karl-Heinz Büschemann

Die Nachrichten aus der Krisenbranche klingen gar nicht mehr so schlecht. Gerade so, als hätte es in der Bundesrepublik nie einen Niedergang der Hersteller von Unterhaltungselektronik gegeben, sprechen die Zahlen der Hifi- und Fernsehbranche zur Zeit eine deutliche Sprache: Es geht aufwärts. Mit fünfzehn Milliarden Mark war schon 1986 ein Rekordjahr auf dem heimischen Markt, und in diesem Jahr werden es noch einmal mindestens vier Prozent mehr sein. „Der Unterhaltungselektronikmarkt verspürte im ersten Halbjahr 1987 weiterhin Aufwind“, bescheinigt die Nürnberger GfK-Handelsforschung GmbH & Co der Branche, die in den Jahren zuvor eher mit stagnierendem Geschäft zurechtkommen mußte, weil es keine umwälzenden Neuigkeiten gab, die die Käufer lockten.

Auch aus den Unternehmen kommen vorzugsweise Erfolgsmeldungen. Wenige Wochen bevor in diesen Tagen die Berliner Funkausstellung mit Neuigkeiten wie digitalen Cassettenrecordern oder moderner Fernsehtechnik für den Empfang von Satellitenprogrammen den Absatz stimulieren soll, teilte schon der deutsche Branchenprimus, die Fürther Grundig AG, mit, daß er nach sechs Verlustjahren aus den roten Zahlen heraus sei. Nachdem bei Grundig insgesamt 740 Millionen Mark Verlust aufgelaufen waren, hatte der Marktführer bei 3,1 Milliarden Mark Umsatz mit 110 Millionen Mark Gewinn sogar ein Ergebnis erzielt, das doppelt so hoch lag wie vom Vorstandsvorsitzenden, Hermanus Koning, erwartet.

Sind die schlechten Zeiten der deutschen Unterhaltungselektronik vorbei, die sich seit dem Ende der siebziger Jahre in zahllosen Pleiten etablierter Markenfirmen und einem rigorosen Personalabbau von einst 105 000 auf heute noch 60 000 Beschäftigte ausdrückte? Immerhin bewies Koning, der am 1. April 1984 den Chefposten bei Grundig übernahm, nachdem sich der niederländische Philips-Konzern mit 31,6 Prozent an der schlingernden Firma des Selfmademan Max Grundig beteiligt und die unternehmerische Führung in Fürth übernommen hatte, daß ein großer Fernseh- und Hifi-Hersteller saniert werden kann. Durch ein Rationalisierungsprogramm, das 9000 Grundig-Beschäftigte ihre Arbeitsplätze kostete, aber auch mit 220 Millionen Mark, die Philips

zuschoß, wurde Grundig mit nun 19 000 Mann Belegschaft wieder auf Kurs gebracht. Aber auch kleine Anbieter können leben: Die traditionsreiche Loewe Opta GmbH im fränkischen Kronach hat sich – wenn auch Ende der siebziger Jahre von der Pleite bedroht und seither deutlich geschrumpft – als Hersteller teurer Farbfernseher am Markt einen beachtlichen Platz erkämpft und hält heute mit rund 300 Millionen Mark Umsatz und rund 1400 Beschäftigten bei Fernsehern einen deutschen Marktanteil von fünf Prozent.

Selbst für Newcomer scheint es eine Chance zu geben. Ausgerechnet als Anfang der siebziger Jahre die Invasion der Japaner auf den Weltmärkten der Hifi-Branche begann, beschlossen die Allgäuer Möbelfabrikanten Albert und Bernhard Schneider, die eigene Produktion von Radios und Stereoanlagen anzufangen. Von rund zehn Millionen Mark im Jahr 1972 steigerten die Brüder den Umsatz ihrer Rundfunkwerke auf mittlerweile 600 Millionen Mark – und verdienen gut dabei. Im vergangenen Herbst gingen sie auf den Kapitalmarkt, wo die Schneider-Aktien seitdem haussieren.

Heute sind die Klein-Vertreter Schneider und Loewe am deutschen Hifi- und Fernsehgerätemarkt die einzigen, die nicht von einem Multi geschluckt wurden. Die Schneider Rundfunkwerke gehören zu 75 Prozent Albert und Bernhard Schneider. Bei Loewe ist neben dem Topmanagement, das 51 Prozent der Anteile hält, der BMW-Konzern mit 31,8 Prozent der größte Gesellschafter.