Vor Hamsterkäufen wird gewarnt Die Ölpreise, verkünden die Experten, werden bald weiter fallen. Die kuwaitischen Tanker unter amerikanischer Flagge ziehen inzwischen mit ihrer Navy-Eskorte unbehelligt durch den Persischen Golf, als gelte hier das Motto: Alle reden von der Krise, wir nicht. Lange nicht mehr ist von den Tankern so viel Öl aus dem Golf transportiert worden wie heute.

Der internationale Beelzebub Iran befleißigt sich denn auch, die Kriegsgefahr im Golf herunterzuspielen. Der zweitmächtigste Mann in Teheran, Parlamentspräsident Rafsandschani, prophezeit jetzt nicht mehr „Ströme von Blut überall in der Welt“, sondern verspricht im amerikanischen Fernsehen: „Wir werden keine feindseligen Akte gegen die amerikanische Flotte unternehmen, wenn sie sich uns gegenüber nicht feindselig verhält.“ Die Uno-Resolution vom 20. Juli, die zum sofortigen Waffenstillstand aufforderte, ist vom Irak begrüßt und vom Iran nicht gänzlich verworfen worden. Im amerikanischen Außenministerium heißt es schon optimistisch, der Krieg am Golf werde sich nicht mehr lange hinziehen. Sollte die Flottenparade im Golf die Gemüter der Kampfhähne besänftigt haben, noch bevor sie abgeschlossen ist?

Noch hält der größte Flottenaufmarsch seit der Falkland-Expedition der Briten an:

  • In wenigen Wochen werden 41 amerikanische Schiffe, darunter ein Flugzeugträger und ein Schlachtschiff, mit rund 20 000 Mann an Bord am Ausgang des Golfs operieren. „Wir wollen“, faßt der zuständige amerikanische Staatssekretär Richard Murphy den Auftrag zusammen, „abschrecken, aber nicht provozieren.“
  • Frankreich hat seine ständige Golfpräsenz um das dickste Schiff seiner Marine, den Flugzeugträger „Clemençeau“, verstärkt, außerdem sind drei Minenräumboote zum Golf unterwegs. „Wir haben“, beschreibt Premierminister Chirac die Mission seiner Schiffe, „keinerlei aggressive Absichten, aber wir verlangen, daß man uns ernst nimmt, und wir werden dafür sorgen, daß dies auch geschieht.“
  • Die Royal Navy Großbritanniens, die seit Anfang des Jahres in der sogenannten Armilla Patrol britische Handelsschiffe vom Golfeingang bis auf die Höhe von Bahrain leitet, wird um weitere fünf Schiffe – vier davon Minenräumer – verstärkt; Mitte September werden sie eintreffen. Die zusätzlichen Schiffe sollten nur dem Schutz der Armilla Patrol dienen, erklärte Verteidigungsminister Younger.

Auch die Minen, die noch vor wenigen Wochen die mangelnde Vorbereitung der amerikanischen Expedition vor aller Welt demonstrierten, haben bis zum nächsten Zwischenfall ihre Drohung eingebüßt. Inzwischen hat der Iran zugegeben, im Golf „zur Verteidigung der eigenen Küste“ Seeminen gelegt zu haben. Zugleich aber versichert die Führung in Teheran, die Straße von Hormuz und der Golf von Oman seien nun minenfrei. Und die iranische Marine demonstrierte genüßlich vor westlichen Journalisten, daß sie noch immer jene Techniken der Minenjagd beherrscht, die amerikanische Ausbilder ihr damals, vor dem Sturz des Schahs 1979, beigebracht hatten.

Ruhe also nach dem Sturm? Es ist eine trügerische Ruhe. Zwar liegt den meisten Staaten der Region so viel an Stabilität und Kriegsvermeidung wie den westlichen Kanonenboot-Politikern auch. Aber damit werden die Spannungen am Golf bestenfalls übertüncht Die Widersprüche halten an. Und keiner – nicht die Armada aus dem Westen, nicht die Mullahs im Iran – hat die Entwicklung unter Kontrolle.

Der eine Sprengsatz liegt in Bagdad. Zwar war der Irak 1980 im Iran eingefallen, aber inzwischen kann er sich die Fortdauer des Krieges nicht mehr leisten. Für den Iran sind dagegen, wie kürzlich einer der besten Sachkenner, Shar ham Chubin vom Genfer Institut für Internationale Beziehungen, schrieb, die Risiken eines Friedens noch immer höher als die Kosten des Krieges.