Italiens Fernsehkönig Silvio Berlusconi hat seinen Einzug in Deutschland gehalten. Mit einer Beteiligung von 45 Prozent an der Gesellschaft Kabel Media in München trat er zunächst zwar nur bescheiden auf, da er aber bisher stets in großem Stil agierte, wird es bei dem kleinen finanziellen Engagement an Kabel Media nicht bleiben. Ein alles umspannendes TV-Netz in Europa ist sein Ziel.

Zunächst soll nun die bisher einzige deutsche Gesellschaft, die rund um die Uhr ihr Programm Musicbox ins Kabel speist, kräftig ausgebaut werden. Der Münchner Sender hatte zuvor erfolglos mit den deutschen Verlagsgiganten Bauer und Burda verhandelt. Vor allem das üppige deutsche Werbegeschäft sticht Silvio Berlusconi dabei in die Augen. Und wie man die etablierte Konkurrenz aussticht, das hat Berlusconi längst gezeigt.

Im Stammland Italien wird er in diesem Jahr allein aus den Werbesendungen seiner drei Fernsehprogramme fast zwei Milliarden Mark einnehmen. Damit scheffelt der Mailänder Unternehmer doppelt soviel Werbegelder wie das staatliche Fernsehen Radiotelevisione Italiana (RAI) mit seinen drei Kanälen.

Das römische Staatsfernsehen könnte und würde gern mehr Werbespots senden. Aber das Gesetz verbietet der RAI, ihre Zuschauer durch allzu häufige Unterbrechung der Sendungen zu malträtieren. Berlusconis Programme haben solche Verpflichtungen nicht und schon gar keine Skrupel. Ihre Sendungen sind so attraktiv gestaltet, daß sie trotz immer häufigerer Unterbrechungen durch Werbespots mindestens die gleichen Einschaltquoten erreichen wie die staatlichen Kanäle.

Und Berlusconi weiß, was die Menge sehen will. Zwischen „Dallas“ und „Denver“ läßt er Pippo Baudo auftreten, den beliebtesten Entertainer des Landes. Für fast dreißig Millionen Mark holte er ihn sich vom Staatsfernsehen weg. Diese Lücke konnte die RAI nur notdürftig mit Adriano Celentano stopfen.

Immer der erste sein, das Teuerste bieten, im großen denken, das ist Berlusconis Erfolgsrezept. Schon im Kindergarten, so weiß die Konzernlegende, hat Silvio seine Ideen bei den Spielkameraden zu Kleingeld gemacht. Inzwischen ist der fünfzigjährige längst ein Cavaliere del Lavoro („Ritter der Arbeit“), also mit dem höchsten Orden ausgezeichnet, den die Republik für Wirtschaftsführer vergibt.

Berlusconi fing am Bau an. Er verdiente sein Geld allerdings nicht so sehr mit seiner Hände Arbeit, er organisierte vielmehr die Bauabwicklung. Dieses Organisationstalent war sein wichtigstes Kapital, um sich mit fünfzig Prozent an der Mailänder Bauholding Cantieri Riunite Milanesi zu beteiligen.