Sommerpause in Madrid, schwere Zusammenstöße zwischen Separatisten und Polizeikräften in Bilbao: Die Spannungen im Baskenland nehmen zu.

In der Hafenstadt Bilbao knüppelten Einheiten der spanischen Nationalpolizei wahllos in die protestierende Menge. Die Demonstranten blieben ihrerseits nichts schuldie: Nach mehrstündigen Straßenschlachten wurden über hundert Verletzte registriert. Die Provokationen zwischen baskischen Separatisten und den staatlichen Ordnungskräften ereigneten sich während der alljährlich stattfindenden Patronatsfeste.

Äußerer Anlaß der Zusammenstöße war auch ein romantisch-provinziell anmutender Flaggenstreit, der in diesem Sommer neu aufrollt wurde: Junge radikale Basken wollten verhindern, daß vor den Rathäusern neben den baskischen Farben auch die nationalspanischen wehten – ein seit langem schwelender Konflikt, der erneut das tief sitzende Ressentiment der Basken gegenüber der Madrider Zentralregierung offenbart.

Im Verlauf der gewalttätigen Ausschreitungen kam es zu Sympathiekundgebungen separatistischer Basken mit der Terrororganisation Eta militar, die ihre Anschläge gegen französische Firmeneinrichtungen sowie gegen spanische Polizisten verstärkt hat. Mitte August wurden zwei Mitglieder der Policia National bei der Explosion einer Autobombe getötet; bei Anschlägen gegen Wohnquartiere der spanischen Guardia Civil erlitten mehrere Zivilisten und ein Kind zum Teil schwere Verletzungen; noch vor wenigen Tagen wurde bei San Sebastian eine Polizeikaserne mit Panzerfäusten beschossen.

Will die baskische Eta durch ihre neu aufgelegte Doppelstrategie Verhandlungen mit der spanischen Regierung erzwingen? Die separatistisch ausgerichtete Zeitung Dein, gewöhnlich über die baskische Terrorszene gut informiert, berichtete kürzlich über die Existenz derartiger Gesprächskontakte.

Es ging das Gerücht um, daß der aus Frankreich ins algerische Exil abgeschobene Eta-Terrorist Eugenio Etxebeste als Unterhändler bei den geheimen Unterredungen fungiert habe. Diese Spekulation wurde vor der spanischen Regierung sofort dementiert. Man weiß in Madrid, daß es immer wieder gegenseitige Kontakte gegeben hat, die auf einen dauerhaften Waffenstillstand abzielten. Verhandlungen mit der Eta, die Spaniens Regierungschef Felipe Gonzales noch vor kurzen: als „Mördermafia“ bezeichnete, wird es jedoch nicht geben.

Wie sehr der neu entflammte Eta-Terror die spanische Regierung beschäftigt, zeigt der Blitzbesuch, den Felipe Gonzales am Dienstag absolvierte: Von seinem Urlaubsort flog Spaniens sozialistischer Regierungschef in die Sommerresidenz des französischen Staatspräsidenten Mitterrand. Madrid fordert immer ultimativer ein noch entschiedeneres Vorgehen der französischen Polizei gegen Eta-Terroristen, die sich meist mit gefälschten Pässen und unter dem Deckmantel bürgerlicher Berufe im französischen Baskenland verstecken.