Also wirklich, müssen sich deutsche Architekten das gefallen lassen? Daß man ihnen – gnädig, gnädig – die Hütten überläßt, Patentämter zum Beispiel, Flughäfen und Messehallen und irgendwo weit in der Provinz ein Forschungsinstitut? Daß man hingegen Amerikaner und Engländer und Österreicher geradezu ins Land komplimentiert, damit sie unsere schönen Museen bauen?

Ausgerechnet Museen! Vor acht Jahren enthüllte der Architekt Josef-Paul Kleihues (der, nicht wahr, halb IBA-Berlin von Landesfremden entwerfen ließ): „Für den Architekten stellt die Planung von Museen so etwas wie einen letzten Freiraum für die Übung des Entwerfens mit künstlerischen‘ Mitteln dar.“

Freiraum aber für wen? Schauen wir uns um: die Bielefelder Kunsthalle – vom Amerikaner Philip Johnson; das Museum in Mönchengladbach – vom Wiener Hollein; die Staatsgalerie Stuttgart – vom Briten Stirling; die Kunstsammlung in Düsseldorf – von den Dänen Dissing und Weitling, und Bochum nebenan angelt sich die Louisiana-Dänen Bo und Wohlert. Ach, und Frankfurt erst, eine Fremden-Weide ohnegleichen, auf der Amerikaner, ein Kölner, jetzt sogar zwei Österreicher auf einmal grasen.

Das hat nun zwei deutsche Architekten dermaßen aufgebracht, daß sie dagegen eine Schmähschrift schrieben und (im Baumeister) drucken ließen: den Professor Meinhard von Gerkan (Hamburg, Braunschweig, München, Berlin, Teheran usw.) und den Professor Oswald Mathias Ungers (Köln, Nordamerika, Frankfurt, Berlin, Bremerhaven, Hamburg usf.). Seit über vierzig Jahren, glauben sie, funktioniere der internationale Kulturaustausch in der Architektur nur noch „als Einbahnstraße“.

Schlimm. Ausgerechnet die „Erben der modernen Baukultur“, höchst angesehen in der ganzen Welt, nur nicht zu Hause, machten „sich selbst zu kulturellen Hinterbänklern“. Die „Schauplätze architektonischen Wettstreits“ bei uns seien zunehmend von den sogenannten gesetzten Ausländern beherrscht, „während die Deutschen schon im Vorfeld zu Statisten abgestempelt“ würden. Die Abstempler sind vor allem die Banausen in den Preisgerichten, wahrscheinlich ungebildete, nach Interessantem schielende Bauherren sowie für Moden anfällige Architekten, dumm genug, auf die „zumeist nur scheinbar anonymen“, deshalb die „Unbefangenheit der Juroren untergrabenden“ Wettbewerbe hereinzufallen: Man weiß doch, wie sie alle zeichnen, wie sie sich unverfroren zu erkennen geben, und kein Juror ist Manns genug, seinen Minderwertigkeitskomplex der deutschen Architektur gegenüber zu überwinden. Schluß also mit der „systematischen Abwertung deutscher Architektur“!

Ausländer raus? Aber ja! Aber nein! Die beiden Pamphletisten winden sich hin und her. Zwar glauben sie, die „weltoffene Internationalität“ unserer Wettbewerbe auch ein bißchen preisen zu müssen, sogar die Praxis, „die Qualität deutschen Bauens von ausländischen Baumeistern befruchten zu lassen“. Aber sie verbitten es sich, deutsche Bauwettbewerbe, wie sie es nennen, länger „an ausländische Planungsbüros zu transferieren“.

Warum sollen sie auch gescheiter reagieren als die Händler, die sich über die Läuse in ihren Pelzen mokieren. Kauft deutsche Spaghettis! Eßt deutsche Bananen! Trinkt Pfefferminztee! Sendet deutsche Schlager im Radio! Deutsche an die Orchesterpulte! Und auf die Opernbühnen! Endlich also: Deutsche, baut wieder mit deutschen Architekten! Hat nicht eine impertinente Jury neulich all dem die Krone aufgesetzt und befunden, ein Österreicher habe den besten Entwurf für die Bundeskunsthalle in Bonn gezeichnet? Ein derart nationales Bauwerk von einem Ausländer!