Einer der eigenartigsten und zugleich einer der schönsten Vögel hat einen recht häßlichen Namen: Großhaubiger Steißfuß. Und noch abfälliger sind einige Trivialnamen. So hieß er bei Landleuten in Mitteldeutschland: „Großer Arschfuß“. Gemeint ist der Haubentaucher, ein Tauchvogel, der auf Distanz zum Menschen achtet, aber bis zur Mitte dieses Jahrhunderts auf allen großen Seen in Deutschland zu Hause war. Jeder Berliner, der im Sommer einmal eine Dampferfahrt machte, auf der Spree, der Havel und den großen Seen, zu denen sich der Lauf beider Flüsse immer wieder ausweitet, hat den Haubentaucher gesehen. Schnellfließende Gewässer liebt er nicht, wohl aber weitausholende Buchten, schilfbestanden und auch stille Seen, waldumsäumt.

Der Haubentaucher ist auch für den Laien unverwechselbar. Etwa von der Größe einer Stockente, der Körper liegt allerdings flacher im Wasser, was ihn kleiner erscheinen läßt, unterscheidet er sich durch den längeren Hals, der etwa 20 Zentimeter lang ist und durch eine größere Flügel-, spanne, die bis zu 80 Zentimeter erreichen kann. Und dann natürlich durch sein Federkleid. Auf seine Beschreibung verwendet Naumann etwa zwölf Druckseiten. Zusammengefaßt: Der Haubentaucher ist rostbraun bis schwärzlich, Hals und Unterseite sind leuchtend weiß, auffallend und deshalb unverkennbar sind der Kopfputz, das sind zwei dunkle Federbüschel, die zwei Hörnern gleichen, und eine farbige Halskrause.

Der Haubentaucher ist über ganz Europa verbreitet, ausgenommen das nördliche Skandinavien. Er ist sowohl Zug- als auch Strichvogel, das heißt, in kalten Wintern verläßt er Mitteleuropa und zieht nach Süden und Südwesten. Nicht selten aber harrt er auch an eisfreien Stellen der Binnengewässer aus. Ich habe ihn im Winter auf der Alster, auf bayerischen und schweizerischen Seen gesehen, stets aber, wenn auch nur in wenigen Exemplaren, auf der eisfrei gehaltenen Havel, und da an der Treppe vor dem alten Stadtschloß in Potsdam. Schwäne, Enten und Wasserhühner versammelten sich dort zu Hunderten.

Der Haubentaucher ist ungesellig. Auf der Havel habe ich nie mehr als vier oder vielleicht fünf in einem Umkreis von 400 Metern gesehen. Andererseits gibt es Berichte, nach denen er auf den Seen in Ostpreußen und in Pommern auch in Kolonien gebrütet haben soll. Das Nest, Haubentaucher sind standorttreu, wird im Frühjahr am Schilf- oder Rohrrand, doch immer vom Ufer entfernt, zusammengetragen. Es besteht aus Wasserpflanzen und Schilfhalmen und schwimmt auf dem Wasser. Das Weibchen legt drei bis vier Eier, etwas kleiner als Hühnereier. Die Brutdauer beträgt vier Wochen, wobei es vorkommt, daß die Eier gelegentlich vom Wasser umspült werden, aber dennoch keinen Schaden nehmen. Nähert man sich dem Nest, das aussieht, als habe der Wind totes Schilf und Blattzeug angeschwemmt, verläßt das brütende Weibchen erst im letzten Augenblick das Gelege, doch nie, ohne es nicht noch mit Blattzeug der Seerosen etwa oder Binsen zuzudecken.

Legende ist, daß die Begattung der Taucherweibchen auf dem Wasser stattfinde, wie es ebenso Legende ist, daß diese Vögel, wenn sie denn in strengen Wintern nach Süden ziehen, dies nicht fliegend tun, sondern schwimmend auf den Flüssen oder entlang den Küsten. Haubentaucher sind auf dem Lande schwerfällig, auch nur mühsam, so scheint es, kommen sie von der Wasserfläche ab, doch einmal in der Luft, fliegen sie ähnlich schnell wie die Enten. Aber wer hat schön Taucher fliegen sehen? Um dies zu beobachten, muß man Standort und Verhalten des scheuen Vogels gut kennen.

Noch ist der Haubentaucher, der sich von kleinen Fischen, von Kerbtieren und Larven ernährt, die er schnell und weit tauchend oft vom Grunde des Sees heraufholt, Brutvogel in Deutschland. Aber auch er gehört zu den bedrohten Arten. Bis zum Anfang des Jahrhunderts war der Haubentaucher eine begehrte Jagdtrophäe. Das von Brust und Bauch mit der Haut abgezogene Gefieder, weiß und wie Seide glänzend, war von Kürschnern geschätzt. Sie fertigten daraus den Handmuff für Damen und Kragen für Herrenpelze. Nach Naumann sollen Anfang des vorigen Jahrhunderts allein im russischen Gouvernement Omsk 100 000 solcher „Felle“ verkauft worden sein.

Zur Familie der Taucher zählen in Deutschland noch Schwarzhalstaucher, Rothalstaucher und Zwergtaucher, während der Ohrentaucher wohl nur ein seltener Wintergast ist. Schwarzhals- und Rothalstaucher sind etwa halb so groß wie der Haubentaucher, der es immerhin auf ein gutes Kilo bringt. In der Umgebung von Hamburg sind Anfang der sechziger Jahre die letzten Schwarzhalstaucher als Brutvögel gesehen worden. Rothalstaucher und Zwergtaucher gibt es aber immer noch.