Von Roland Kirbach

Wolfgang Niedecken hegt schon lange einen "kleinen Traum", wie er sagt: "Irgendwann machen wir mal unsere ‚Exile on Main Street‘." So heißt die legendäre Doppel-LP der Rolling Stones. Sie entstand nicht im Plattenstudio, sondern im Keller bei Keith Richard, dem Gitarristen der Rockgruppe, irgendwo an der Côte d’Azur. Anfangs stand nicht mal fest, ob man genug Material für eine LP zustande bringen werde. Schließlich fand die Gruppe so viel Spaß an der Improvisation, daß die Aufnahmen sogar für zwei Platten reichten.

So was will Wolfgang Niedecken mit seiner Band Bap auch mal machen. Bei den Aufnahmen zur letzten Langspielplatte der Kölner Rockmusiker, "Ahl Männer aalglatt" (Alte Männer, aalglatt), hatte er erst noch das Gefühl: "Das könnte es sein!" Doch bald ging gar nichts mehr. Die Sieben gerieten sich so sehr in die Haare, daß sie sich nun erst mal getrennt haben – nur vorübergehend, wie Niedecken beteuert.

Seit gut sechs Jahren ist Bap so ziemlich die erfolgreichste Rockgruppe der Bundesrepublik. Für alle ihre sieben LPs erhielten sie goldene Schallplatten, für zwei gab’s sogar "Doppelplatin" (über eine Million verkaufte Exemplare). Ihre Tourneen sind immer im voraus ausverkauft. Dabei versteht Bap außerhalb Kölns kaum jemand, denn sie singen auf Kölsch. Doch jeder Schallplatte liegt ein Textheft mit Übersetzungen der Songs ins Hochdeutsche bei. Die Folge: Von Füssen bis Flensburg singen die Fans in den Konzerten mit.

Die Ursache des Erfolgs ist wohl das Image der Band, das Niedecken selbst ironisch den "Sieben-Zwerge-Mythos" nennt: "Alle essen aus einem Näpfchen, schlafen in einem Bettchen." Bap war immer die grundanständige Gruppe, Bap machte geradlinigen Rock mit ehrlichen Texten. Nie gab es Skandale, nie Streitereien. Sie heißen, auch für die Fans, einfach Fuzz, Foriz, Schmal, Effendi oder Major. Für ihr Publikum seien sie immer "so ’n Ding zum Projizieren" gewesen, sagt Niedecken – "so ’ne Band, wie die Leute sie sich immer gewünscht haben".

Um so böser war dann das Erwachen, als die Fan-Gemeinde zur Kenntnis nehmen mußte, "daß wir ’ne ganz normale Band sind". Hinter den Kulissen gärte es schon länger. Zwei Fraktionen hatten sich gebildet: Hier Wolfgang Niedecken, Textautor, Leadsänger und Frontman auf der Bühne; dort Klaus Heuser, Komponist und Gitarrist, genannt Major.

Major orientierte die Musik zunehmend an der internationalen Popszene. Zur Aufnahme der letzten Platte ging die Gruppe erstmals in ein Münchner Profi-Studio, erstmals wurde ein Produzent engagiert. Mit einem Acht-Spur-Tonband wurden die Stücke nach und nach eingespielt. Wolfgang Niedecken war das "zu wenig organisch". Zuvor seien die Platten durch gemeinsames Erspielen entstanden. Niedecken: "Zunächst waren nur die Texte und die Grundakkorde da, und zusammen haben wir dann probiert: wie kriegt man das ans Swingen, ans Grooven, ans Rocken. Wir haben so lange gespielt, bis wir sicher waren: Das können wir jetzt aufnehmen."