Die Tropenseuche Malaria bedroht fast die halbe Weltbevölkerung

Von Christine Broll

Walter Wernsdorfer gibt sich optimistisch. Für den Leiter der Abteilung Malariaforschung bei der Weltgesundheitsorganisation WHO ist ein Impfstoff gegen Malaria endlich in greifbare Nähe gerückt. Seit er die Berichte zweier Forschergruppen über die Erprobung eines Malariaimpfstoffs an Freiwilligen kennt, ist für ihn bewiesen, daß ein Impfschutz prinzipiell funktioniert. Trotz einer hohen Versagerquote ist es den beiden Teams nämlich erstmals gelungen, Menschen mit einem im Labor hergestellten Impfstoff gegen die Infektion mit dem tückischen Malariaerreger zu immunisieren. „Natürlich muß der Impfstoff noch verbessert werden. Das ist aber nur noch eine Frage des Verfahrens“, meint der WHO-Experte.

Daß diese Verfahrensfragen möglichst schnell gelöst werden, können die Betroffenen in den Malariagebieten nur hoffen. Da die heute verfügbaren Waffen gegen diese Parasitenkrankheit häufig stumpf geworden sind, breitet sie sich immer weiter aus. Heute lebt bereits knapp die Hälfte der Weltbevölkerung in malariaverseuchten Gebieten. 300 Millionen Menschen erkranken jährlich an dieser lebensbedrohenden Infektion, leiden unter Schüttelfrost, periodischen Fieberschüben, Blutarmut und Mattigkeit. In jeder Minute sterben allein in Afrika drei bis vier Kinder an der Malaria.

Zu Beginn der sechziger Jahre schien es, als hätte man die Malaria „im Griff“. Der globale Feldzug gegen das Wechselfieber, den die WHO 1957 gestartet hatte, zeigte erste Erfolge. Mit zwei Strategien war die WHO gegen die Malaria angetreten: Den Erreger – einzellige Parasiten mit Namen Plasmodium – bekämpfte sie mit Medikamenten. Die Überträger der Krankheit – Mücken der Gattung Anopheles – versuchte sie mit Insektiziden zu vernichten. So gelang es der Organisation zum Beispiel, die Malariafälle in Indien im Jahr 1963 auf nur 50 000 zu reduzieren. Doch schon 1976 gab es dort wieder vier Millionen Erkrankte. Der Grund: Sowohl die Mücke als auch der Parasit sind gegen die chemischen Bekämpfungsmittel zum Teil widerstandsfähig geworden.

Ständig muß Walter Wernsdörfer ein neues Land in die Liste der Regionen aufnehmen, in denen die üblichen Medikamente wirkungslos werden. Gegen das klassische Malariamittel Chloroquin (in Deutschland unter dem Handelsnamen Resochin auf dem Markt) sind die Erreger der lebensgefährlichen Malaria tropica praktisch in ganz Asien (östlich von Iran), in bestimmten Gebieten Mittel- und Südamerikas sowie in Afrika südlich des Äquators resistent geworden.

„Auch die Resistenz gegen das neuere Medikament Fansidar greift langsam, aber sicher um sich“, berichtet der WHO-Experte. „In Thailand, Kambodscha und Süd-Vietnam ist der Prozentsatz der fansidarresistenten Erreger so hoch, daß man das Mittel nicht mehr guten Gewissens einsetzen kann. In Thailand haben wir eine Versagerquote von 80 bis 90 Prozent beobachtet.“ Auch in Burma, der zu Malaysia gehörenden Halbinsel Sabah, Kolumbien, Brasilien und sporadisch auch in Afrika wurde Resistenz gegen Fansidar registriert. Zwar hat das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche mit dem Wirkstoff Mefloquin ein neues Mittel auf den Markt gebracht, doch es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich der Malariaparasit auch auf dieses Medikament eingestellt hat.