Als der Baulärm der U-Bahn-Baustelle abgeklungen war, die Erde nicht mehr bebte und die Risse in den Hauswänden verputzt waren, rückten Stadtgärtner an. Sie richteten Beete her, ordentlich in Reih und Glied. Dann machten sie sich daran, eine schlimme Gartenbaukrankheit zu verbreiten: die „Kübelitis“. Sie stellten runde und eckige Steingefäße und Betonkübel auf, die bepflanzt waren mit immergrünen Gewächsen und mit Blumen gemäß der Jahreszeit. Nachdem die Phantasie in solcherart Urnen begraben worden war, grünte und blühte es nach angemessener Zeit planmäßig und langweilig.

Schon manche Stadt ist dieser Gartenbaukrankheit zum Opfer gefallen, und selbst kleinste Dörfer sind von ihr infiziert. In der Stadt, von der hier die Rede ist, passierte jedoch eine wundervolle Panne. Versehentlich war zwischen den stark befahrenen Straßen ein Stückchen unbepflanzte Erde liegengeblieben und vergessen worden, etwa zwei Meter breit und zwanzig Meter lang. Wüst und lehmig lag es da, sich selbst überlassen.

Zuerst siedelten sich allerlei Gräser an. Dann landeten kleine Fallschirme des Löwenzahns mit Samen, und bald leuchteten dicke Kuhblumen. Es kamen wilde Stiefmütterchen, Kamillen und Brennnesseln dazu. Gänseblümchen schlugen ihre gelben Augen auf, und wilde Ähren schwankten im milden Stadtwind.

An einem heißen Sommertag gaukelten zwei Kohlweißlinge zwischen blau-lila Glockenblumen, unbeeindruckt vom vorbeirasenden Verkehr. Und, es war nicht zu fassen – Mohn, leuchtend roten Mohn gab es auch.

Das kleine Rasenstück war das helle Entzücken vieler Menschen. Doch an zuständiger Stelle war eines Tages dann gewiß von Unordnung und Unkraut, vielleicht sogar von Skandal gesprochen worden. Jedenfalls, eines Tages war all das saftige, bunte Wildwachsende verschwunden – zugunsten der Normenbeete und der Kübel„kultur“.

Nun standen an heißen Tagen in trockener, rissiger Erde, ungeschützt, ohne Grasschatten, durstig und staubig, die „Bodendecker“ und auch dürftige Heckenrosen. Korrekt und in ordentlichen Abständen. Und an Regentagen ragten die bedauernswerten Pflänzchen staksig aus gelbbraunen Lehmpfützen, die nicht absickern konnten.

Es war so traurig! Kann man in der Mitte einer Stadt wirklich kein Stückchen Erde sich selbst überlassen – mit „Unkraut“ und Würmern, mit Käfern und Mücken, vielleicht zweimal im Jahr gemäht wie eine bäuerliche Wiese? Eines Tages hätten Vögel das kleine Paradies als Aufenthaltsplatz entdeckt (und mit einer kleinen Feldmaus hätte man schon rechnen müssen).