Bis jetzt läuft der Friedensplan für Mittelamerika nach Termin. Aber die erwarteten Schwierigkeiten zeichnen sich ab.

Die Außenminister der fünf beteiligten Staaten trafen sich Mitte vergangener Woche in El Salvador, um über die Verwirklichung des Planes zu beraten, also die einzelnen „Etappen-Ziele“ festzulegen. Am Wochenende fand in der venezolanischen Hauptstadt Caracas ein Treffen von 13 lateinamerikanischen Außenministern statt. Sie sollte in erster Linie jene Kontrollkommission bilden, der die Überwachung der einzelnen Maßnahmen obliegt, dann aber jene Frage klären, die in Guatemala offen geblieben war: Wie und wann werden die Vereinigten Staaten in den Prozeß einbezogen?

Einigkeit wurde nicht erzielt. Vordergründig geht es darum, wann man Washington um Einstellung der Contra-Hilfe bittet. Dahinter verbirgt sich das Grundproblem: Verhandeln die Sandkasten direkt mit der Contra – wozu die Konterrevolutionäre bereit sind, was Managua aber verweigert –, oder werden die Vereinigten Staaten als Geldgeber der Contra in die Friedensgespräche einbezogen, womit sie indirekt über den Plan entscheiden können – was in Guatemala eben ausgeschlossen werden sollte.

Auch in El Salvador ist die Kontakt-Aufnahme der Regierung mit der Guerilla bereits hinter dem vereinbarten Zeittableau. Zwar besteht zwischen den Regierenden weiterhin Konsens, so rasch wie möglich voranzuschreiten, aber die außenpolitische Gemeinsamkeit reicht im Einzelfall nicht aus, innenpolitische Widerstände aus dem Weg zu räumen. Honduras etwa weigert sich, eine Versöhnungskommission zu bilden, mit der Begründung, dazu bestehe kein Anlaß, weil im Lande kein Bürgerkrieg herrsche – ein erster Hinweis darauf, daß nicht alle Länder zu einer echten Demokratisierung durch rasche Neuwahlen bereit sind?

Unerwartete Schwierigkeiten haben sich in Nicaragua aufgetan: Das Land sucht verzweifelt nach Ölimporten. Die Sowjetunion hat ihre Lieferungen im Mai reduziert; lateinamerikanische Staaten haben den Ölhahn zugedreht, weil das

Praktisch zahlungsunfähige Land

hohe Schulden bei ihnen hat. Präsident Ortega warnte sofort, Treibstoff-Knappheit könne den Friedensplan gefährden. -bi