Von Rob Kieffer

Verteilt Maradona Autogramme? Gibt Italiens Skandal-Abgeordnete Cicciolina ein Gastspiel? Der Unmenge parkender Autos nach zu urteilen, könnten beide gleichzeitig in Riomaggiore sein.

Auf der Straße, die sich von La Spezia aus in die südlichste der Cinque-Terre-Ortschaften windet, ist keine einzige Parklücke mehr aufzustöbern. Das romantische Bild, das wir uns von den Cinque Terre, den Perlen Liguriens an Italiens südlicher Riviera, gemacht haben, bekommt gleich bei unserer Ankunft Risse. Entnervt stellen wir unseren Wagen irgendwo in ein Halteverbot und schleppen mit grimmiger "Hier-bleiben-wir-auf keinen-Fall-länger"-Miene unsere Koffer zum Hotel.

Doch gleich unsere erste Erkundung der Ortschaft stimmt versöhnlich. Hinter einer Schranke am Anfang der Via Colombo, der steilen Hauptstraße, entdecken wir kein einziges Vehikel mehr. Riomaggiore ist autofrei. Phongestreßtes Großstädter-Herz, was begehrst du mehr! Selbst die Einwohner müssen ihre Autos außerhalb des Dorfes abstellen. Was denn auch erklärt, warum sich an der Zufahrtsstraße Stoßstange an Stoßstange preßt.

Diese passantenfreundliche Regelung, die auch in den anderen Cinque-Terre-Ortschaften gilt, ist allerdings nicht besonders fortschrittlichen Gemeindevätern zu verdanken, sondern allein der geographischen Lage der "Fünf Landschaften". Eingekeilt zwischen einem Bergzug, von dem aus terrassenförmige Rebenfelder bis in die Dörfer hinunterreichen, und dem Meer, bleibt für Häuser und Straßen so wenig Platz, daß man zum Beispiel in Manarola das Volleyballfeld auf den geheiligten Platz vor der Pfarrkirche pinseln mußte.

Diese natürliche Abgeschiedenheit vom Hinterland kam einst vorwiegend strategischen Interessen zugute. In den zerklüfteten Buchten suchteman Schutz vor den Invasionen der Langobarden und den Streifzügen der Sarazenen. Den Römern dienten die Häfen der Siedlungen als Nachschubbasen im Kampf gegen die Ligurer. Und im 16. Jahrhundert bauten die Genueser die Dörfer zu Bergfesten gegen Seeräuberüberfälle aus.

Jahrhundertelang waren die fünf Cinque-Terre-Orte Monterosso al mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore nur per Boot oder über Maultierpfade zu erreichen. Erst die Eisenbahn brachte einige Transporterleichterungen. Doch es sollte bis Anfang der fünfziger Jahre dauern, bis die Orte durch Straßen miteinander verbunden wurden und auch befahrbare Trassen bis an die Häuser heran verlegt wurden. Diese anfänglich bequemen Zufahrten wurden mit verstärktem Tourismus und zunehmender Autofreudigkeit der Einheimischen jedoch zu chronisch verstopften Sackgassen, auf denen es besonders im Sommer kein vor und zurück mehr gab.