Was der Wein im Westen der Bundesrepublik, soll das Bier im Osten werden: ein Reiseziel. Oberfränkische Brauereien und Fremdenverkehrsexperten wollen eine „Oberfränkische Bierstraße“ aus der Taufe heben.

Neu ist die Idee nicht. Gerade feierte die „Bier- und Burgenstraße im Frankenwald“ ihr zehnjähriges Jubiläum. Doch die Strecke von Kulmbach bis zur thüringischen Grenze; ist den Initiatoren viel zu kurz. Die Touristikmanager aus Nürnberg träumen von anderen Dimensionen: Vom Hopfenanbaugebiet Spalt im Süden über Nürnberg, Bamberg und Bayreuth in die Fränkische Schweiz soll die „Bierstraße“ führen und für eine touristische Aufwertung der gesamten Region sorgen.

Und das sind die Trümpfe, mit denen die Fachleute aus dem Brauerei- und Fremdenverkehrsgewerbe mit den Touristen ins Geschäft kommen wollen: Oberfranken besitzt mit 220 Brauereien (Bundesrepublik rund 1200) die weltweit größte Dichte an Betrieben. Fast alle Brauereien besitzen integrierte Gaststätten. Schließlich hat sich in Oberfranken eine Sortenvielfalt vom Vollbier über das Pils bis hin zu Weizen-, Dunkel- und Bockbier erhalten.

Herausgefunden und erforscht hat dieses „Potential“ der Wissenschaftler Helmut Völkl an der Universität Bayreuth. In seiner 150 Seiten umfassenden Studie über„Brauereiwirtschaft und Tourismus – Möglichkeiten und Chancen einer eigenständigen Regionalentwicklung in Oberfranken“ schlägt er vor, gerade aus den herkömmlichen, technisch häufig überholten und betriebswirtschaftlich oft ineffektiven Methoden im Brauereiwesen Kapital zu schlagen und auf der Welle der „guten alten Zeit“ und des „gesundheitsbewußten Lebens“ das „alternative Trinken – weg vom bekannten Massenbier“ zu propagieren. Es könne, so heißt es in der Untersuchung, ein Effekt erzielt werden, der vergleichbar sei mit dem „Genuß frisch gemolkener Milch direkt vom Bauern“. Ziel aller touristischen Angebote entlang der „Bierstraße“ solle es schließlich sein, Genuß, Konsum und Information zu verbinden, wobei der „Freizeitwert“ immer Vorrang habe. Brauereibesichtigungen, Bierseminare, Zapferprüfungen und sogenannte „Bierwanderungen“ sind Schlagworte aus dem Ideenkatalog des Wissenschaftlers.

Die Macher aus Brauereiwirtschaft und Tourismus wollen die geplante „Bierstraße“ als eine Form von Industrietourismus verstanden wissen. Weniger den trinkfreudigen Biertouristen als den Kultur- und Bildungsreisenden möchten sie nach Oberfranken locken.

Der genaue Verlauf der „Bierstraße“ und die Finanzierung des Vorhabens sind noch offen. Für Herbst dieses Jahres ist die Gründung einer Interessengemeinschaft geplant. Angela Kandt